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Gravatar Bravo. Endlich sagt’s eine(r). Ich habe mich schon immer gefragt, was das ganze mit den Anmeldegebühren und so soll (besonders beim ADC) ...


Gravatar Kann man (Design)-Preise auch ablehnen?


Gravatar So wie Tocotronic den Komet im Sinne von »jung, deutsch, erfolgreich« (erfolgreich genug, daran teilnehmen zu können)?


Gravatar Vielleicht sollte es als Preis beim Wettbewerb der Designpreise mal die freie Teilnahme an bis zu zehn Preisausschreiben seiner Wahl geben (alternativ auch einzulösen bei Lotto, oddset oder Rennquintet, die werden wahrscheinlich mit klarer nachvollziehbaren Spielregeln veranstaltet).

Bravo Juli!


Gravatar Call me stupid, aber ich sehe das Problem nicht...


Gravatar Das Problem scheint zu sein, dass man über 3.000 Euro zu bezahlen hat, falls man den Preis „bekommt“.


Gravatar Hallo Juli Gudehus,

vielen vielen Dank für Ihren offenen Brief. Sie sprechen mir aus dem Herzen. Meine Freude über die Nominierung war schnell verflogen als ich das Pantonegedruckte gelesen hatte. Ich hab mich dann doch dazu durchgerungen, mitzumachen, da mein neues Gestaltungsbüro noch etwas Anschub gebrauchen kann.

Ich finde es nicht verwerflich, für Designpreise Geld zu zahlen, nur sehe ich hier keine staatliche Förderung mehr, sondern Augenwischerei. Es gibt Agenturen mit neun (!) Nominierungen. Wenn die gewinnen, sind die pleite. Im letzten Jahr haben über 800 Nominierte teilgenommen. Macht ein Arbeitsbudget von ~160000 €. Ohne Gewinnergebühren. Damit sollte sich schon einiges machen lassen. Wozu dann noch die 2900 €? Für eine digital gedruckte Urkunde A4?

Ich hoffe, dass Ihr offener Brief ordentlich Beachtung findet und Michael Glos unter Druck gerät. Vielleicht gibt es dann ja bald wirklich was zu gewinnen.

beste Grüße nach Berlin
Christian Büning


Gravatar Hat man sich denn bewerben müssen um nominiert zu werden?


Gravatar Nein, die Post kommt überraschend. Vorraussetzung ist, einen anderen nationalen Preis gewonnen zu haben.


Gravatar habs schon in der page gelesen. richtig so! glückwunsch. bin gespannt ob da was zurückkommt.


Gravatar »Nein, die Post kommt überraschend. Vorraussetzung ist, einen anderen nationalen Preis gewonnen zu haben.
Christian Büning | Homepage | 04.07.06 - 11:18«

Klingt eher nach Drückerkolonne als nach Preis:
http://de.wikipedia.org/wiki/Drü.../ Drückerkolonne


Gravatar Drückerkolonne ist gut. Deutschland sucht den Super-Designer! Oder auch:

http://www.ehrensenf.de/2006/05/...y-plaid-ninjas/


Gravatar Ich wusste gar nicht, dass Ehrensenf den Designpreis 2007 auch schon entlarvt hatte ... sehr souverän in die Parade gefahren.
FontShop bekam gestern ein Erinnerungsschreiben vom Rat für Formgebung »Der Anmeldeschluss rückt näher ...« ... -> Ablage P!


Gravatar Man koennte mal was ganz neues wagen und den Blick aufs ausgeschiedene England richten, wo ich als Deutscher von einer Regierungsstiftung (NESTA) mein Designstudio mit ueber 50.000 EUR start-up funding aufgebaut hab letztes Jahr. Das war auch ein »Award«, Anmeldung war fuer lau, und die Unterstuetzung ist Nachhaltig und auch fuer groessere Firmen/Studios erhaeltlich.
Ich kann Juli in ihrem Unverstaendnis von ganzem Herzen verstehen und hoffe, das die Diskussion ueber diese retrograde Art der Foerderung endlich ins neue Jahrhundert getragen wird, zumal es sich ja in diesem Fall nicht nur um die Selbstbeweihraeucherung einiger grosser Agenturen handeln sollte, sondern um die Auszeichnung herrausragender Arbeiten, egal ob von One-man shows oder internationalen Studios. Also da muss es doch bessere Loesungen geben, oder?


Gravatar mit großer verblüffung und sehr erschrockem habe ich juli gudehus offenen leserbrief zum deutschen designpreis in der aktuellen page gelesen.

als ich zum ersten mal vom deutschen designpreis gehört habe, fand ich die idee eines staatlichen preises sehr schön, da ich dachte, daß er eine alternative zu den institutionalisierten wettbewerben und preisen bietet, die die deutsche werbe- und designbranche dominieren. denn leider bieten die bekanntesten und etabliertesten wettbewerbe in der branche newcomern und einzelkämpfern schon aus schlicht finanziellen gründen kein forum. bei all der möglichen kritik an diesen wettbewerben akzteptiere ich aber, daß sie unserem (kapitalistischen) wirtschaftssystem entsprechen ...

einen staatlichen preis aber hätte ich ... wie juli gudehus ... als eine ehre verstanden und als eine art förderpreis, als chance und anerkennung für die nominierten designer ... und auch als chance für deutschland, sich als land mit einer schönen, vielfältigen und eigenständigen design-kultur zu zeigen ... und erst während ich das hier schreibe, realisiere ich, daß der deutsche designpreis in der jetzigen form ein verzerrtes bild deutschen designs zeigen wird, das unglaublich stark von von finanzieller macht geprägt ist.

über für den nominierten beim deutschen designpreis eventuell entstehende kosten habe ich überhaupt nicht nachgedacht ... für mich war gefühlsmäßig einfach selbstverständlich, daß die anerkennung, nominiert zu werden nichts kostet, vor allem bei der ausschreibung eines ministeriums, also einem staatlichen preis ...

ich streite gar nicht ab, daß die nominierten kapitalkräftigen firmen gutes und auszeichnungswürdiges design machen, finde es aber einfach sehr traurig, daß beispielsweise kleine gute büros, die im kuturellen bereich arbeiten, beim jetzigen vergabesystem keine chance habe ... sich die ehre, nominiert zu sein, schlicht (finanziell) nicht leisten können.

sabine kobel, diplom-designerin


Gravatar Bei dieser diskussion um den deutschen designpreis beschäftigt mich gerade noch eine frage: wofür werden die 2900 euro denn überhaupt verwendet?
steht das vielleicht irgendwo (im kleingedruckten) in den nominierungsunterlagen?

bei den wettbewerben, deren richtlinien ich kenne, konnte man die einreichungsgebühr im grunde als (meist recht hohe) aufwandsentschädigung für's briefkastenleeren und auspacken, aufhängen, sichten und und "jurieren" der einreichungen verstehen.

die kosten, die für die gewinner zusätzlichentstehen, werden meist als kosten für produktion und druck des wettbewerbs-jahrbuches erklärt.

die frage, daß allein die gelder aus den einreichungsgebühren rechnerisch noch locker für ein buch/einen katalog reichen würden lasse ich hier mal außer acht ... aber was gewinnt den der gewinner eines deutschen designpreises nun genau?
nur ruhm und ehre? oder gibt es eine austellung/einen katalog/öffentlichkeitsarbeit für die nominierten bzw gewinner?


Gravatar Ich sag das mal ganz vorsichtig und als ganz ganz kleines Büro mit wenig Geld: Mich schockieren diese 2000 Euro denkbar wenig.
a) Niemand hält eine Waffe an meinen Kopf und zwingt mich mitzumachen.
b) Wenn ich meine, für mich und mein «Standing» als Designer ist das nun wichtig oder nicht, kann ich mitmachen oder nicht. Ist doch eine einfache Sache. Der iF und Red Dot sind auch nicht gerade billig, aber wenn mit das den Spaß in dem einen Jahr wert ist oder ich das Geld gerade habe, seis doch drum. Manchmal ist so ein Preis schön gegen den Alltagsfrust. Manchmal fährt man lieber in den Urlaub .
c) 2000 Euro ist ein Nichts gegen das, was hier am Monat an Sozialabgaben und Steuern und und und weggeht, ohne das ich dafür auch nur irgendetwas konkretes wiederbekomme.
d) Letztendlich weiß man nicht, was mit dem Geld passiert und wie die Gegenleistung aussieht. Wenn hier etwa via Querfinanzierung Projekte für Studenten oder andere Dinge laufen, es also nicht um eine reine Gewinnabschöpfung geht, finde ich den Preis absolut fair. Ich zahle beim iF gerne mehr, wenn die eingereichten Studentenarbeiten dafür weniger zahlen.
e) Angebot und Nachfrage. Der Preis regelt sich immer von alleine, viele namhafte Design-Ranking-Preise senken eher die Preise, als anzuziehen. Der Markt gibts nicht her.
f) Und wenn ich mir anhöre, wieviele Leute vor der TYPO immer jammern, wie teuer das sei und wie abzockig das sei und dabei bedenke, wie weit man da realiter von der Sachlage entfernt ist, mag ich dieses Gejammer der «armen» Designer nicht. Das ist mir zu handwerkerig.
Wir sind eine Branche, die zwischen 80 und 180 Euro Stundensatz nehmen *kann*. Und auch wenn wir oft kollektiv zur Selbstausbeutung neigen, ist dieser Job selbstgewählt. Man sollte sich nicht bei anderen über deren Preise beschweren. Da macht man mit oder eben nicht, aber ich finde, es gibt derzeit wichtigere Dinge, über die man sich beim Staat beschweren könnte als mittelständisches Designbüro .


Gravatar HD: es sind 3000,- €
Die TYPO mit ihren 195,- bis 595,– € spielt in einer anderen Liga - preislich und inhaltlich.


Gravatar Ich weiß, was es kostst, ich bin ja auch nominiert. Und ich finds vertretbar. Ich weiß, was ne Doppelseite beim iF und beim RedDot und und und kostet, hier liegen wir etwa doppelt bis dreifach. Ehrlich gesagt, fand ich die reine Chuzpe sympathisch :-D. Designpreise gibts wie Sand am Meer, wieso sich nicht qua Preis direkt als Oberliga definieren? Find ich irgendwie erst mal witzig. Ich hab nur diese Vollversorgermentalität nicht, daß der Staat mir alles schenken muß. Ich kann da teilnehmen, wenns mir die Sache wert ist oder nicht. Ist doch ne einfache Kiste. Ich brauch mir auch keine Fonts von TEFF zu kaufen, ich kann auch beim Fontshop shoppen. Aber wenn ich halt Lust auf DTL oder TEFF habe, so what?

Macht beim Designpreis einfach keiner mit, ist der Seitenpreis 08 bei normaleren 800 oder 1400 Euro. Keene Ahnung.

Ich glaub, wenn sich alle so aufregen, mach ich da schon aus Prinzip gern mal mit :-D.


Gravatar Es gibt, ganz nebenbei, eine ganze reihe «kostenloser» und staatlic geförderter Designpreise, wie etwa den Designpreis NRW. Bund und Länder tun da also genug zur Förderung der Kultur. Ich halte es da ein wenig mit dem ollen Otl, der ganz zu recht die Verstaatlichung von Kunst und Design bemängelte, und – paraphrasiert – anmerkte, daß wir, wenn wir die Vollversorgung vom Staat wollen, auch die Vollkontrolle ertragen müssen.

Sich über solche Sachen in einem zumal offenen Brief aufzuregen, und das sage ich wirklcih als persönlicher Fan von Juli, hat einen leichten hautgout. Die Sache ist doch so wichtig beileibe nicht.

Mich ärgert da vielleicht momentan doch eher, daß ich von den Nebenkosten einer Arbeitskraft komplett eine zweite Beschäftigen könnte :-D. Und sich daran scheinbar nichts ändern wird, im Gegenteil.


Gravatar Großes Thema bei der SZ: http://www.sueddeutsche.de/,panm...tikel/15/79935/

Danke, HD. Es gibt wirklich viel zu tun, außer Fußball.


Gravatar Was mich wundert: die Fotos werden andauernd ausgetauscht... läuft da was nicht richtig bei flickr!?


Gravatar Lieber HD, danke für die Blümchen – im Verbund mit einem »leichten hautgout«.

Gerade WEIL ich es mir leisten kann, gerade WEIL ich bislang vom Staat keine Förderung in Anspruch genommen habe (außer Bildung, KSK und 7 Prozent Mwst statt der üblichen 16 Prozent), weil auch ich die Vollversorgung vom Staat nicht möchte und brauche (weil ich willens und in der Lage bin, Verantwortung für mich selbst zu übernehmen) und weil ich von einer Verstaatlichung von Kultur WENIGER als nichts halte … eben darum rege ich mich öffentlich auf.

Es gibt übrigens immer »Wichtigeres«. Meine 71 Jahre alte Tante fängt in solchen Fällen gern an, von "Luxusproblemen" zu reden und davon, daß es ganz etwas anderes sei, zu Kriegszeiten eine Familie zu versorgen …

Was kann man gegen ein solches Totschlagargument vorbringen? Außer, daß es mir vernünftig erscheint, sich laut und deutlich zu äußern, wann immer man sich über etwas ärgert, ganz gleich in welcher Größenordnung, und möglichst konkret und klar eine Alternative zu formulieren.

Hier meine Alternative:
Ich freue mich sehr, wenn ich von Vater Staat öffentlich gelobt werde. Ich finde aber, der Staat sollte diesen Preis verleihen wie auch ein Bundesverdienstkreuz verliehen wird: OHNE Wettbewerb, überhaupt unabhängig von anderen Wettbewerben, und OHNE daß man dafür bezahlen oder sich sonstwie darum kümmern muß. Eben WEIL es der Staat ist und nicht irgendeine private Vereinigung.
Warum macht Vater Staat überhaupt einen Wettbewerb? Er könnte sich den ganzen Zirkus doch sparen, wenn er sich jährlich selbständig überlegte, wer ein Lob verdient hat. Die Auswahlkriterien dafür und die Fachleute, die ermitteln sollen, das steht auf einem anderen Blatt. Dennoch, kurz angerissen: warum für diesen Designpreis der BRD offenbar überwiegend (ausschließlich?) die Ergebnisse anderer Wettbewerbe herangezogen werden? Es ist nämlich so, daß etliche Gestalter ihre Arbeiten gar nicht bei Wettbewerben einreichen, weil: das zu viel Geld kostet / das Geschäft ohnehin gut läuft / man gar nicht daran gedacht hat, daß die eigene Arbeit so gut sein könnte / man keine Zeit hat / man die Machenschaften nicht billigt / und und
In England ist es zum Beispiel so, daß diese Ehrung genau so läuft: Man kann für seine Leistungen zur Lady oder zum Sir werden, und man kann speziell als Gestalter zum Royal Designer werden, von denen es immer nur 100 gibt (wenn jemand stirbt, wird wieder jemand ernannt). Eine große Ehre. Kostenfrei, beides, versteht sich. Vermutlich auch wegen eines geringen Verwaltungsaufwands. Wer sagt denn, daß ein Staatspreis sich genauso gerieren muß wie ein privat ausgelobter? Mit Katalog und Ausstellung etceterapeepee? Reicht es nicht, die Presse zu informieren? Eine Verleihungszeremonie, ein Glas Sekt, fertig.

Wenn es auch mit diesem konkreten Thema nichts zu tun hat: ich wünschte, wir Selbständigen und wir Kreativen (zu den beiden Gruppen gehöre ich) setzten sich insgesamt mehr für Ihre Belange ein.

Grüetzi,


Gravatar Sabine:
Auch wenn du nominiert bist, MUSST du nicht teilnehmen.

Querfinanzierung kann ja auch indirekt stattfinden, aber da weiß ich auch nicht mehr als du.
Und die Nebenkosten waren eher ein Beispiel für Sachen, die ich lieber in einem offenen Brief sähe... weil die meisten Designer Mittelständler sind und ich zumindest da ganz anderen Handlungsbedarf sehe als NOCH einen Designpreis mehr auf Kosten der Steuerzahler :-D.


Juli:
... es IST ein Luxusproblem.
7% und KSK ist schon eine Menge Hilfe vom Staat und beides nicht ganz unproblematisch. Von den 7% hab ich mich vor Jahren verabschiedet, weil nicht imemr die Schöpfungshöhe dem Finanzamt gegenüber nachweisbar ist und die KSK fängt gerade an, meine Kunden um Geld zu belangen, also werde ich da wohl herausgehen.

Und ich finde nach wie vor: Ein Gratis-Designpreis ist nix wert, Ende.
Ich wäre absolut gegen einen «geschenkten» Designpreis des Landes Deutschlands.
Laßt uns also Designpreise haben, die 20.000 Euro allein Anmeldungsgebühr haben :-D.

Den Preis, den du jeden Tag gratis für deine Arbeit bekommst, sind glückliche Kunden und ein gutes Gefühl, sauber gearbeitet zu haben. Das sollte reichen. Wer die Eitelkeit hat, auch noch von irgendeiner Jury über den Kopf gestreichelt zu werden, sollte das nicht auch noch geschenkt haben wollen. Ich gönne mir solche Teilnahmen manchmal, in anderen Jahren nicht. Es ist Luxus, wie Urlaub. Und – langfristig – sicher auch eine Währung in der Branche, insofern sind hohe Fees auch angemessen. Ich denke, für jemanden wie Fons Hickmnann sind die wirklich ZAHLLOSEN Awards sicher auch ein Creditpunkt mehr beim Kunden, wenn es darum geht, eine gute Idee durchzukämpfen, weil sie ihm vielleicht den Meter mehr vertrauen. Das ist alles Geld der Welt wert, finde ich. Die Entscheidung aber liegt immer beim Designer selbst. Ich freue mich, wenn ich gewinne, aber ich weiß, daß es am Ende nicht wirklich wichtig ist. Die Kampfzone ist tatsächlich doch ganz woanders.

Aber: Die Entscheidung liegt beim Teilnehmer. Man macht mit, oder nicht. Ende. Das ist ganz clean, da muß man sich nicht aufregen. Und die Nominierung ist ja noch gratis und per se auch schon nett. Die Teilnahme ist eine Option, die du aus Eitelkeit oder Geschäftssinn wahrnehmen kannst, oder eben nicht. Find ich 100% okay. Jeder, der mir sagte, die Typo ist zu teuer, dem konnte ich sagen: mußt ja nicht hingehen, Mann. Stay at home and watch TV.

Generell stimmt also, wie stets, was Bruce Mau sagt: Man sollte nicht an Wettbewerben teilnehmen :-D.


Gravatar hallo hd,

ich hatte schon verstanden, daß jemand, der für den deutschen designpreis »nominiert« ist, nicht am folgewettbewerb teilnehmen muß

wobei das wort »nominiert« bzw »nominierter« in diesem fall verdammt irreführend ist (besonders im zusammenhang mit einem staatlichen preis) ... bei allen preisen, die ich sonst so kenne, für die künstler oder sportler oder wissenschaftler nominiert werden, handelt es sich um preise, die von staaten, stiftungen etc. ausgesetzt werden und bei denen die gewinner die ehre/ das geld/ die statuette dann kostenfrei bekommen ... ich habe zumindest nie etwas davon gehört, daß ein z.b. schauspieler seine oskar-statuette bezahlt.

daß man wettbewerbe generell sportlich sehen kann und daß es eine persönliche entscheidung ist, ob man teilnimmt oder nicht, da gebe ich dir generell recht - und ich beurteile design primär danach, ob es mir gefällt und nicht danach, ob es nägel, dots oder würfel gewonnen hat und kenne viele designer, die wettbewerbe vermeiden und die großartige arbeit leisten ...

und wie du habe ich schon an (kostenpflichtigen und -freien) wettbewerben teilgenommen oder es gelassen, ganz nach laune des tages ...

dies alles gilt aber - meiner meinung nach - nicht bei einem staatlichen preis, für den man vorgeschlagen wird ...
deine meinung, daß ein kostenfreier/undotierter staatlicher preis nichts wert ist, die kann ich aber überhaupt nicht teilen.
beispiele wie die adelstitel in england, die beispielsweise vivienne westwood und andere künstler erhalten haben oder die aufnahme in die französische ehrenlegion sind beispiele, daß es noch auszeichnungen gibt, bei denen es durchaus um ruhm, aber avor allem um ehre geht ... klingt pathetisch/altmodisch, ich weiß ... ist aber eine schöne sache ... und mir ist auch klar, daß diese auszeichnungen, die ich eben genannt habe, sehr weit oben angesiedelt sind.

generell habe ich immer mehr den eindruck, daß eine schwierigkeit des deutschen designpreises darin liegt, daß er mißverständlich und wenig transparent wirkt:
ist er nun ein klassischer staatlicher preis, bei dem man aus der traditon erwarten würde, daß die gewinner von vater staat etwas bekommen ... oder orientiert er sich an privat orientierten wettbewerben wie dem des adc. im sz-artikel steht, daß der preis auch vom ministerum finanziell gefördert wird - wo gehen diese gelder hin? was ist die rolle des rats für formgebung? was die des ministeriums?


Gravatar >ich habe zumindest nie etwas davon gehört, daß ein zb schauspieler seine oskar-statuette bezahlt.

Der Schauspieler wahrscheinlich nicht, aber die Filmstudios, die seinen Film gedreht haben, schon!

In den letzten Jahren machen Filmstudios mehr und mehr »Werbung« an die Academy-Mitglieder kurz vor die Oscar Zeit beginnt. Ich vermute, dass solche Aktionen immer in irgendeinen Form gäbe… wahrscheinlich in der Vergangenheit war’s auch sehr skuril gewesen.

Fazit: Bezahlt wird immer


Gravatar preise sollten kein geld kosten. bumms – aus – fertig.

>>> szenariowechsel:
jahrmarkt - losbude.GRATULIERE! sie haben den ersten preis gewonnen! zunächst brauch ich aber 580,– euro von ihnen damit ich meine standmiete wieder reinbekomme.


Gravatar hoppla, wo ist der rest meines kommtars? jüüürgen!


Gravatar Klinsmann hilft dir, Robert! Positiv denken. Weitermachen. Offensiiiiiiiiiiiive!


Gravatar HD: Ich weiß, dass Du für Deine eigenen Ideen und Anschauungen mit Verve verbal fighten kannst. Dass Du Dir hier den Rücken für diesen dubiosen Deutschen Designerpreis krumm kommentierst ... so kenn’ ich Dich gar nicht, alter Sozialist
Kann es sein, dass auch Du mit Deiner Nominierung in die Fußangeln der Ausschreibung getreten bist und da jetzt nicht mehr ’rauskommst? Sollen wir alle mal gemeinsam versuchen, Dich zu befreien? Nur wenn Du willst ...


Gravatar Irgendwie verstehe ich nicht, wie man Adelstitel (die nebenbei alles andere als umsonst zu haben sind, aber egal) und einen Designaward verwechselt. Das sind schon zwei paar Schuhe in Sachen Verdienst ums Vaterland zwischen Fons Hickmann und Sean Conenry... :-D.

«Preise sollten kein Geld kosten» ist das Zitat des Tages in Sachen Oxymoron.

Jürgen, ich bin schon nominiert und wie gesagt, bei dem ganzen Offenen-Brief-Tamtam hab ich mal so richtig derbe Lust, da teilzunehmen und auch 3000 Euro für ne Seite zu zahlen, fuck the money. Ich muß da gar nicht raus :-D. Mich regt nur die Ich-will-alles-gratis-Ideologie so furchtbar auf. Das ist nämlich DIE unserer Kunden, die alles für nichts wollen. Preise ohne Geld, Design ohne Kosten, Fonts von eDonkey.

Ehrlich, ich freu mich auch, wenn ich was umsonst kriege. Aber dann will ich auch was dafür tun dürfen. Wenn ich für die Typo als Beirat ne Freikarte von dir kriege, dann bin ich auch jederzeit für dich da, um zurückzugeben, was ich zu geben habe.

Das hat mit Fairness zu tun.
Vom Staat will ich nichts geschenkt. Weil ich genau weiß, das ich es am Ende doch bezahle.

Und wie ich gerade dem Inhaber der Akademie versucht habe zu erklären: Hohe Eintrittsgelder (in dem Fall monatliche Studiengebühren) sind ein WERT AN SICH. Es vertreibt die Slacker, die eh nur mitnehmen, was billig ist ;-D. Und die kriegst du eh nie satt. Meiner Ex-Frau ist es mal passiert, daß ein Lehrer, der vom Staat ein Budget für Bücher bekam (also ein ganzes Kontingent Bücher geschenkt erhielt) nach der Bestellung fragte, was er denn nach so einer schönen Bestellung jetzt noch umsonst dazu bekäme. Der Hunger endet nie.


Gravatar »Vom Staat will ich nichts geschenkt. Weil ich genau weiß, das ich es am Ende doch bezahle.«
Das heißt im Falle dieses Designpreises: Du zahlst zweimal.


Gravatar hallo hd,

nein, ich hatte keinesfalls einen adelstitel mit einem designpreis verwechselt.

ich hatte die von der queen verliehenen titel "dame" bzw. "sir" und die mitgliedschaft in der französischen ehrenlegion als beispiele für (staatliche) ehrungen genannt, für die man nominiert wird, die keine teilnahmegebühren kosten und auch nicht mit geld dotiert sind -
zumindest soweit ich weiß, ich wurde dafür noch nie vorgeschlagen

also als ein beispiel für einen kostenfreien staatlichen preis der unglaublich viel wert ist (hier nicht primär finanziell zu verstehen), während du kostenfreie staatliche preise generell als wertlos klassifizierst.

daß wir bei diesen preisen von einer absoluten topliga reden, hatte ich selbst schon erwähnt

mein reizender alter gymnasial-französischlehree war im übrigen aber auch mitglied in der ehrenlegion bzw der akademie francaise - (wegen seiner verdienste um die fanzösische sprache und verständigung zwischen deutschen und franzosen) ... mitglieder sind also nicht nur david bowie und andere top-größen ...

und daß hinter westwood, connery, jagger und anderen so ausgezeichenten viel wirtschaftliche macht steht, ist mir auch klar - das hat aber in diesen fällen von titeln und orden mit einer ehrung für KÜNSTLERISCHE LEISTUNG wenig zu tun ...

oder sind wir bei der frage der kosten von titeln zu konsul weyer abgedriftet?

und ja, ja, ja, verdammt, ich kann die gratis- und mitnahme-mentalität, die du anprangerst, auch nicht ab, aber ich denke, daß das bei dieser diskussion NICHT das thema ist ... sondern die frage, ob die jetztige form des deutschen designpreises angemessen ist für einen staatlichen preis ... und was für alternativen es geben könnte ...

und vielleicht auch die frage, wohin die enormen summen verschwinden, die von den teilnehmern und vom ministerium kommen ... und ob sich auch hier vielleicht jemand etwas (gratis) mitnimmt ...


Gravatar Ich kürz das mal etwas ab, aber ein Ding noch... es geht mir gar nicht um den DP07. Da hat Ehrensenf in aller Kürze und gebotener Ironie das Entscheidende gesagt und den Rest regelt einfach der Markt. Kann sein, daß eine Hochpreispolitik den Preis erfolgreich an der Spitze positioniert, was sicher so gedacht ist, oder eben doch nicht und dann wirds realer, billiger. Abwarten.

Mir gings um den Inhalt des Briefes. Und den, pardon, finde ich für den Beruf, den ich nun mal mache, grundfalsch. Schöne PR-Aktion für Juli, großer faux pas alles, was ich mit Design verbinde.

Mea culpa, das kriegt ihr mir nicht ausgeredet.


Gravatar peace


Gravatar Es wird mal zeit, dass dieses viele halbwissen um den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland um einige fakten ergänzt wird.

Also:
1. Die nominierung kostet 210 Euro, sonst nix. Hier ein ausschnitt aus den wettbewerbsbedingungen:

Anfang zitat:

Teilnahmegebühr pro Produkt:
EUR 210.– zzgl. MwSt.

Servicepaket pro Auszeichnung:
EUR 2.900.– zzgl. MwSt.

Präsentation:
Die ausgezeichneten Beiträge werden in Form einer Ausstellung, eines zweisprachigen Katalogs sowie einer Website der Öffentlichkeit präsentiert.

Logo:
Mit der Anmeldung sind die teilnehmenden Unternehmen berechtigt, das offizielle Signet für die Nominierung im Rahmen der Kennzeichnung und Bewerbung des nominierten Beitrages uneingeschränkt zu nutzen.

Ende zitat.

Für die 210 euro kann man/frau/Juli also schon ordentlich angeben. Eine kleine pressekampagne mit offenem brief ist natürlich noch effektiver und sicherlich mehr wert als 210 euro. Und wenn wirklich der preisfall eintreten sollte (die chancen stehen in etwa 800:25, bzw ca. 100:3), dann kann man immer noch ablehnen. Nach meiner erfahrung sind allerdings € 2900 wesentlich weniger, als ich für eine eigene PR kampagne zahlen würde, die diese verbreitung hat. Aber wer keine PR braucht, muss nicht teilnehmen oder nicht gewinnen.

2.
Der Rat für Formgebung veranstaltet diesen wettbewerb. Der Rat wurde 1953 vom Bundestag für die förderung der Guten Form gegründet, ist also die einzige staatliche institution dieser art. Aber auch hier gibt es immer weniger staatliche förderung, weil das ministerium der meinung ist, dass design ein wirtschaftsfaktor ist und die finanzierung der arbeit des Rates eine subvention der designunternehmen darstellt. Und subventionen sollen abgebaut werden. Also erwirtschaftet der Rat für Formgebung inzwischen den weitaus grössten teil seines budgets durch massnahmen wie ausstellungen, veranstaltungen, publikationen und – sic – wettbewerben.

3.
Der Rat hat ein präsidium, das die arbeit der geschäftsführung leitet und kontrolliert. Diese arbeit ist ehrenamtlich. Ich bin seit vielen jahren in diesem präsidium, das sich meistens in Frankfurt trifft. Das kostet mich mindestens 10 tage im jahr und reisekosten. Es gibt weder ein tagesgeld noch reisekostenerstattung. Ich mache das, weil ich die arbeit des Rates für wichtig halte. Immerhin hat die anbindung an das Ministerium für Wirtschaft dafür gesorgt, dass design endlich aus dem kulturghetto raus ist und ernstgenommen wird als »richtige« arbeit, nicht nur als schmückende beigabe. Als ich in das präsidium kam, war ich der einzige kommunikationsdesigner dort und der Bundespreis (der damals noch Gute Form hiess) wurde nur an industrieprodukte verliehen. Inzwischen ist akzeptiert und praxis beim Rat, dass auch unsere arbeit dazugehört. Also werden jetzt auch kollegen und kolleginnen wie HD und Juli nominiert. Übrigens: unsere schrift für die Deutsche Bahn wurde dieses jahr auch vorgeschlagen.

4.
Es werden nur arbeiten nominiert, die vorher schon einen preis woanders gewonnen haben. Damit ist klar, dass dieses der preis der preise ist. Wer hier benannt wird, hat sich also schon einmal um einen preis beworben und kann jetzt nicht unschuld vorschützen.

5.
Andere designpreise sind kommerzielle veranstaltungen. Mir ist es passiert, dass ich in einer jury aufgefordert wurde, doch eine bestimmte arbeit noch einmal zu würdigen (obwohl sie schon aus dem wettbewerb war), weil doch der einreicher eine so tolle firma sei und viel geld für seine einreichungen bezahlt habe. Kein wunder, dass immer die gleichen namen auftreten und dass auch bei den wettbewerben der werbeszene immer die gleichen gewinner auftauchen: der druck auf die juroren ist immens; sowohl von den veranstaltern, als auch von den kollegen. Es ist enorm schwierig, sich in einer solchen gruppe gegen einen prominenten einreicher zu wenden, egal, wie die arbeit ist.
Einreichungen beim ADC oder beim D&AD sind wesentlich teurer als beim Bundespreis. Und auch dort muss man für einen katalogeintrag immer noch extra bezahlen, denn die meisten institutionen finanzieren ihre arbeit für den berufsstand aus den wettbewerben. Das ist beim Bundespreis nicht so, aber irgendjemand muss ja bezahlen für den gewaltigen aufwand, den es bedeutet, allein für eine preisverleihung etliche hundert leute und einen minister oder sogar den Bundespräsidenten einzuladen und zu bewirten.

6.
Ich zahle seit über 30 jahren beiträge in die sozialkassen. Als leitender angestellter meiner eigenen firma habe ich aber keinen anspruch auf leistungen, kriege also auch keine rente. Das ist eben mein solidarbeitrag, weil ich in einem system wie der Bundesrepublik lebe, in dem andere es nötiger haben als ich, staatliche zuwendungen zu kriegen. Es ist eben nicht »der staat«, sondern das sind wir. Warum reden wir immer vom staat, wenn es ums nehmen geht?

7.
Fazit:
wer an wettbewerben teilnimmt, muss mit kosten rechnen, weil die institutionen kaum andere einnahmequellen haben. Wer das geld nicht hat oder nicht ausgeben will, muss sich für seine eitelkeit andere anlässe suchen. Die anspruchshaltung an den »Staat« ist einer der gründe, warum die Bundesrepublik pleite ist. Jeder meint, ansprüche zu haben und versucht dann auch noch, diesen »Staat« um die steuern zu bescheissen.
Wir sind als designer sehr privilegiert. Niemand zwingt uns, diesen beruf auszuüben und keine staatliche institution ist gezwungen uns für unsere berufsausübung, die ja zuvörderst dem lebensunterhalt dient, auch noch preise zu verleihen. Grafiker sind keine wohltäter, wofür sollten sie also belohnt werden, wenn sie nicht einmal bereit sind, in den entsprechenden institutionen mitzuarbeiten?

Der Bundespreis ist der beste designpreis in Deutschland; die jury und die bedingungen sind über jeden zweifel erhaben. Das kann man über kaum einen anderen wettbewerb sagen. Ich habe jedenfall meine 210 euro für die teilnahme mit freude bezahlt. Und sollte ich wirklich einen preis gewinnen, werde ich auch die anstehenden 2900 bezahlen. Damit wäre nämlich nicht nur unser ruhm vergrössert, sondern auch ein beitrag geleistet zur wahrnehmung einer solch peripheren sache wie typografie.


Gravatar Na endlich mal eine (offizielle) Stellungnahme. Danke Erik.
Ist das auch die Meinung von Andrej Kupetz, dem Geschäftsführer des Rat für Formgebung? Im Mai 2002 nannte er FontShop noch »... die Berliner Schildermaler ...« in einer E-Mail, die ich immer bei mir trage. Sie endete mit den Worten: »Es scheint (euch) ja noch zu gut zu gehen. Dass sich das ändert, daran werden wir arbeiten.«
Hintergrund: Unsere Presse-Betreuerin Ines Wildhage konnte Kupetz’ Pressereferenten Stephan Ott keine Presse-Akkreditierung mehr anbieten, weil die 30 reservierten Plätze – 2 Tage vor Konferenzbeginn – alle vergeben waren.


Gravatar Ist das auch die Meinung von Andrej Kupetz

Ich habe ihn nicht gefragt, aber das kriegsbeil mit FontShop hat er längst begraben. Was immer da an verletzter eitelkeit geschehen war, ist vergessen. Und hier geht es ja nicht um FontShop, und auch nicht um Andrej Kupetz, sondern um eine diskussion über designwettbewerbe. Und ich habe bemerkt, dass kaum jemand der diskutanten erfahrung damit hat – weder als juror noch als teilnehmer. Da wimmelt es von vorurteilen, allgemeinplätzen und halbwissen.


Gravatar Amen.


Gravatar Der Staat hat eine Verantwortung für die Freiheit von Wissenschaft und Kultur.

Noch eine bemerkung zu Juli: hier geht es nicht um kultur und wissenschaft, sondern um wirtschaft (Glos ist nicht wissenschaftsminister). Ich bin jedenfalls froh, dass meine auftraggeber nicht mehr versuchen, den preis für unsere leistung zu drücken, indem sie uns als künstler hinstellen, die das alles ja nur zum spass machen. Unverschämt, dafür auch noch geld zu verlangen! Natürlich produzieren wir auch kultur, aber in erster linie schaffen wir mehrwert für unsere auftraggeber. Und daran verdienen auch wir. Wieso sollte das von einem ministerium belohnt werden? Dann müssten ja die die preise kriegen, die am meisten verdienen. Das ministerium stell in diesem fall sicher, dass design einen hohen stellenwert hat in der industrie, von der wir leben. Entscheiden kann nur eine jury aus kompetenten leuten, nicht der "Staat", nach dem hier viele rufen. Als wenn der gute designer einfach so benennen könnte. Nach welchen kriterien denn?


Gravatar Ich habe ihn nicht gefragt, aber das kriegsbeil mit FontShop hat er längst begraben.
Diese Information ist bisher nicht bei mir angekommen.


Gravatar Danke, Erik. Schön, daß man nicht ganz alleine in den Wind pinkelt. :-D

Ich glaube, ein Problem ist, daß unter dem Namen DESIGN drei Grundtätigkeiten laufen: Werbung (Commercial Art), echtes Design (im Sinne Aichers, meinethalben) und Kunst mit den Mitteln des Designs aber ohne echten Lösungs-Auftrag.
Das sind drei GANZ unterschiedliche Dinge und das purzelt hier entsetzlich durcheinander, befürchte ich, weil es ja auch so einfach ist – entsteht ja alles mit den gleichen Tools - die kleinen Unterschiede zu ignorieren. Freunde von mir in den Werbeagenturen machen etwas ganz anderes als ich, obwohl sie auch vorm Bildschirm sitzen, und Julis Projekte wie Genesis oder der Adventskalender sind wieder etwas ganz anderes. Es ist sehr schwer, Kunden wie Kollegen (oder auch nur der eigenen Frau Mutter) diese Unterschiede zu kommunizieren... und ich persönlich fand und finde, dieser zudem offene PR-Brief verschlimmert die Kommunikation um die Sache nur noch.

Daß im Brief auch einfach sachliche Fehler sind, denn z. B. Oscar, Grammy oder Nobelpreis sind nun keienswegs staatliche Preise, sondern mit Ausnahme des Nobel im höchsten Maße kommerzielle Industriepreise, der Nobel stammt von einer Stiftung, ist dann noch eine ganz andere Sache.


Gravatar Also eigentlich wollte ich mich ja nicht äußern, weil ich kein Designer, sondern Marketing-Mensch bin, aber ich kann Eure Kommentare noch so oft lesen: Erik hat's gesagt 'es geht um wirtschaft',

Insgesamt denke ich es geht um Marketing, PR und Promo und da ist die Auszeichnung 'Typ Design' nur das Mittel zum Zweck. Der Preis soll den Gewinnern verhelfen mehr Kunden zu gewinnen und zwar dann mit einem Gütesiegel erster Klasse.

Und Marketing, PR und Promo-Dienstleistungen bezahlt man immer. Für ein Gütesiegel solcher Qualität sind, mit Verlaub gesagt, € 3.010 nicht viel - wem's das Wert ist, versteht sich.

Am Ende ist es immer Geschmackssache.

Zu HD und der Gratis-Mentalität gegenüber Design: Danke. Wenn wir alle erst das Level von Erik Spiekermann erreichen müssen, damit Kunden nicht mehr um Preise feilschen... oh-oh...


Gravatar Ist es die Aufgabe des Staates, etablierten Agenturen eine preiswerte PR-Kampagne zu spendieren?

Mag sein, dass für manche 2900 Euro Peanuts sind. Warum eigentlich nicht gleich 5800 Euro? Das wäre immer noch günstige Werbung. Wo ist die Grenze?

Ein Blick auf die deutsche Filmindustrie: Bund und Länder fördern in zumindest geringem Maße, dafür aber breit angelegt, innovative und erfolgsversprechende Filmprojekte. Dieses System macht sich im großen und ganzen für alle Beteiligten finanziell bezahlt. Teilnahmen an Filmwettbewerben sind in der Regel übrigens kostenfrei.

Man kann für das Design hierzulande besseres tun, als Design-Bundespreise zu "verkaufen".


Gravatar Guten Morgen,

eine kleine Korrektur dann doch noch zu Eriks Beitrag. Die Nominierung zum Designpreis kostet keinen Cent. Erst für die Teilnahme am Wettbewerb werden aus mittlerweile oft besagten Gründen 210,- € fällig. Juli Gudehus kann also, wenn sie will, auch ohne Teilnahme und Gebühr kommunizieren, dass sie für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2007 nominiert ist/wurde.
Beste Grüße
Stephan Ott, Kommunikation, Rat für Formgebung
P.S.: Nichts für ungut, Herr Siebert, aber schmeißen Sie doch mal die vier Jahre alt E-Mail weg. Alle übrigen Beteiligten von damals sind doch längst versöhnt.


Gravatar >Man kann für das Design hierzulande besseres tun, als >Design-Bundespreise zu "verkaufen".

Glasklar: Es gibt wichtigeres im Leben als noch einen Award mehr. tatsächlich verwässert jeder weitere Preis neben ADC, Red Dot, TDC, iF, 100 Plakate, Schönste Bücher und und und... die Branche eher. Wichtig wären drei, vier essentielle spezifische Preise, sozusagen die Pudel-Leistungsschau der Branche und fertig. Noch einmal zu sieben, was bereits gesiebt wurde, ist eher redundant. Schön für die, die dabei sind, aber eben keine Aufbauleistung.

Will man Design als Wirtschaftsfaktor stärken, müßte man über andere Lösungen nachdenken. Die Frage ist ja durchaus, wie man Design Made in Germany im Europa oder auch global positionieren kann und möchte. Sowohl im Produktsegment als auch, schwieriger, im Print/Web-Design.

Darum aber geht es in dem offenen Brief leider gar nicht. Die Generalfrage: Who the fuck needs yet another Award... bleibt ungestellt. Es geht nur ums Geld.


Gravatar es kann doch nicht sein, dass die einzige aufgabe der »zentralen Maßnahme der Designförderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit« (www.ratfuerformgebung.de) ist, lediglich als pr-werkzeug zu fungieren! dann ist es in der tat nur etwas für die eitelkeit und handelt sich damit um eine verschwendung von steuergeldern.

aber das kann nicht aufgabe eines mit staatlichen mitteln geförderten preises sein. die aufgabe muss vielmehr sein, innovative und damit letztenendes auch den design- und wirtschaftstandort deutschland fördernde projekte zu unterstützen – und dass passiert nicht, in dem man design-unternehmen geld entzieht, sondern in sie investiert. und das hat nichts mit »anspruchsdenke« zu tun, sondern vielmehr mit der kernaufgabe des wirtschaftsministeriums: den wirtschftsstandort deutschland zu fördern (»Innovationen und Investitionen sind der Schlüssel für mehr Wachstum.« – www.bmwi.de)

für den design-preis bedeutet das deshalb aus meiner sicht: 3 preisträger die jeweils 50.000 euro erhalten, kleine preisverleihung mit schnittchen und fertig. kein aufwändiger katalog oder anderen schnickschnack. das ist billiger und wesentlich effektiver, da ein so hoch dotierter preis die thematik »design« wesentlich stärker in der öffentlichkeit verankern wird. ganz abgesehen davon, dass dann drei büros dafür belohnt werden, dass sie mal neue wege ausprobiert haben. nur so kann sich das design bei uns weiterentwickeln.


Gravatar >3 preisträger die jeweils 50.000 euro erhalten
Wofür? Dafür, daß sie ihren Job tun?

Nein, das ist es nicht. Dann lieber gar nicht. Designer sollten die FInger von Staatsgeldern lassen, wir sind keine Forscher, wir sind Dienstleister. Wir werden vom Kundne bezahlt. Und das ist auch gut so.

Wenn, dann muß man über Wege diskutieren, wie man deutsches Design – whatever it is – international besser fördert. Was ja auchohne staatliche Hilfe gut passiert, die Architekten positionieren sich zB derzeit ganz solide in Fernost.

Aber ein Preis für drei Gewinner? Sorry, das ist etwas daneben. Nicht, daß ich Fons das Geld nicht gönne ;-D.

Denn mach man sich nichts vor, wenn man ein «Verdienstkreuz» (nicht meine Idee, ja...) planen will, dann sind die Namen doch auf Jahre klar: Kurt, Erik, Peter, Uwe, Fons und so weiter, kleiner Kreis. Und dann schreien doch auch alle.

Der Staat fördert Design zum einen ideal ganz klassisch, indem er Jobs an gute Designer vergibt. Zum anderen, indem er die Rahmenbedingungen für den Mittelstand bessert. Und last not least indem er im In- und Ausland aktiv die Bedeutung von Design als Wirtschaftsfaktor kommuniziert. Und das klappt ja mitunter ganz gut via RedDot, if, den agd und so weiter, sicher auch über Konferenzen wie die Typo oder Leipzig usw. Man könnte laut nachdenken, ob man als Staat eine Präsentation deutschen Designs zB bei der Frankfurter Buchmesse (wo die Schmidts ja mit dem TDC ganz rührig sind) fördert o.ä. Gibt viele Möglichkeiten, der Designpreis 07 ist ja nur die einfachste Idee... wir machen NOOOOCH einen Designwettbewerb.


Gravatar Ein Blick auf die deutsche Filmindustrie: Bund und Länder fördern in zumindest geringem Maße, dafür aber breit angelegt, innovative und erfolgsversprechende Filmprojekte.

Ich weiss nicht, was das mit design zu tun hat. Ein film kostet viel geld, bevor je die erste szene im kasten ist, geschweige denn ein publikum den streifen im theater gesehen hat. Und film ist immer noch (auch) eine kunstform. Ein designer verkauft seine/ihre leistung gegen honorar. Soll ein ministerium uns das vorschiessen? Und wer entscheidet dann, ob das projekt bzw der auftrag erfolgreich war – sagen wir mal: den geschäftsbericht für DaimlerChrysler zu machen? Muss der designer den vorschuss dann zurückzahlen oder darf er einen gewinn einbehalten?

Genauso seltsam wäre es, designern für erfolgreiche arbeit (die ja per definitionem auch wirtschaftlich was abwerfen muss) noch 50 000 hinterherzuwerfen. Tut mir leid, Robert, aber dann bekämen die Springer & Jacobys et al den löwenanteil, weil sie ja die meisten jobs einreichen könnten und sowieso alle preise gewinnen. Und die jungen, „experimentellen” designer haben vor lauter existenznöten weder zeit noch mittel, irgendwas einzureichen. Und selbst wenn: wer soll das dann beurteilen? Alte säcke wie ich oder junge, unerfahrene kollegen, die selber gerne den preis haben möchten?

Designpreise sind nun mal etwas vom establishment fürs establishment. Hat man mal einen bekommen, gehört man dazu, egal ob es ein preis für junges talent ist, für den besten werbespot oder für die coolste website. Es urteilen immer neidische kollegen über andere neidische kollegen, und den nötigen abstand für ein einigermassen faires urteil hat man meist erst jenseits der lebensmitte. Und manche auch das nicht. Ich kann mich gut erinnern, dass frau Mayer-Johannsen dem Bundespreis für mich vor jahren nicht zustimmen mochte, weil sie neidisch war. Da war sie gerade knapp über 40. QED.


Gravatar Naja, mit dir und Uli ist das ja auch noch ne spezielle Baustelle, hm?

Das mit dem Daimler-Annual ist aber eben die Sache. Schaut euch doch mal an, was Preise gewinnt. Das sind keine experimentellen Sachen, das sind meist kommerzielle Arbeiten.
Gott, wollt ihr denn auch, daß ein Bäcker 50.000 Euro für das schönste Brötchen kriegt?

Design KANN Kunst sein. Kunst KANN Design sein. Ist es aber beides meist nicht und die Grenzen sind klar, wenn auch nicht allen Leuten.

Kunst muß gefördert werden, weil sie sich (anfangs) nicht verkauft.
Design wird schon sehr großzügig vom Staat behandelt, wenn auch nicht immer (ich kriege die 7% - wie Juli Gudehus - z.B. nicht von meinem Finanzamt zugestanden und das ist im Grunde auch richtig so).

Um Design als Branche zu fördern, muß man Wirtschaftsförderung betreiben, nicht KUNSTförderung. Das sind zwei ganz unterschiedliche paar Schuhe, und die auch noch SELBST zu verwechseln, macht unsere Situation nicht besser. Wir sind Dienstleister, wie Architekten auch. Und jeder Architekt, der sich für einen Künstler hält, ist aus meiner Sicht eben kein Architekt mehr, weil er vergessen hat, daß er im Kern Häuser zu bauen hat, die funktionieren.

Einfach gesagt: Philippe Starcks berühmte Fruchtpresse für Alessi ist KEIN Design, sondern Kunst. Eine formale Exploration, ein Experiment, aber keine wirklich sonderlich gut funktionierende Zitronenprese. Das Ding stellt man sich als Deko hin, nicht als Nutzapparat. Als Design ein Flop, als Kunst natürlich ein schöne skulpturales Objekt. Gibt ne Menge anderer Beispiele. Die Grenzen sind auch etwas schwimmend, finde ich.

Und man müßte eigentlich auch diskutieren, ob der Staat die Kunst unbedingt fördern muß. Weil er sie dann unweigerlich auch zu kontrollieren versucht (und ich arbeite für Theater.. glaubt mir, er versucht es.)
Design aber ist kein kulturelles Angebot wie ein Kurzfilm oder ein Theaterstück, ein Ballett oder ein philharmonischer Abend... alles Dinge, die sich ohne Subventionen nicht rechnen könnten, ohne die wir aber ärmer wären.
Design ist ein (kreatives) Handwerk. Mit unglaublicher Macht. Wir sollten das nicht so ganz aus den Augen verlieren und uns in diese Armer-Künstler-Bettelpose werfen. Das ist unwürdig und macht uns schwach.


Gravatar Einen offiziellen Designpreis der Bundesrepublik Deutschland, der einigen Unternehmen als Marketingtool dient und alljährlich den Rat für Formgebung fördert, braucht das Land nicht.


Gravatar Lieber Erik!

Erstmal etwas zum ursprünglichen Thema: Du schreist von dem "gewaltigen Aufwand", den ein solcher Staatspreis verursacht, den ja irgendjemand bezahlen müsse. Eben da liegt doch der Hase im Pfeffer: wer sagt denn, daß es überhaupt ein "gewaltiger Aufwand" sein muß?!

Ich sage Dir, daß ich toll finde, was Du gemacht hast, Du freust Dich, prima. – Der Staat sagt Dir öffentlich, daß er toll findet, was Du gemacht hast, Du freust Dich, prima.

Ist doch ganz einfach. Wozu das ganze Brimborium? Wozu ein Apparat wie der Rat für Formgebung?

und dann, lieber Erik … ganz im Gegenteil, es geht um Kultur UND um Wissenschaft UND um Wirtschaft, denn das ist ja der Reiz unserer Disziplin, daß wir uns in allen drei Bereichen bewegen und in keinem davon ausschließlich. Und letztendlich ist auch die Unterscheidung zwischen diesen dreien nur eine Krücke, denn eines ist mit dem anderen – auch ohne uns – eng verwoben.

Auch Du, lieber HD, triffst Unterscheidungen, einmal innerhalb des Design "Werbung (Commercial Art), echtes Design (im Sinne Aichers, meinethalben) und Kunst mit den Mitteln des Designs aber ohne echten Lösungs-Auftrag" und einmal zwischen Kunst und Design: "die Grenzen sind klar, wenn auch nicht allen Leuten" –

Ich bin ehrlich erschrocken, wie sehr Ihr beiden offenbar in völlig überholten Klischees denkt. Wen interessieren denn noch die Etiketten? Das brauchst Du auch Deiner Frau Mutter nicht zu erklären, lieber HD. Tu was Du tust, wisse was Du tust, mach es gut, verdien Geld damit und pfeif darauf, in welche Schublade Dich irgendwelche Menschen von vorgestern stecken wollen. Wenn eines klar ist, dann dies: es gibt keine Grenzen, sondern nur fließende Übergänge.

Lieber Erik, wieso pochst Du darauf, daß da ein Unterschied sei zwischen Dir und einem Filmemacher? Du setzt Dich doch auch aus eigenem Antrieb hin und entwickelst eine Schrift, für die Dich keiner beauftragt hat. Du tust es mit Leidenschaft und aus innerer Überzeugung. Du baust in erster Linie darauf, daß es gut und richtig ist, was Du da tust und Du baust in zweiter Linie darauf, daß es sich günstigenfalls auch finanziell lohnt.

"Kunst muß gefördert werden, weil sie sich (anfangs) nicht verkauft" – gar nichts muß gefördert werden. Aber wenn man sich entschließt, etwas zu fördern, was in unserem Wirtschaftssystem Anlaufschwierigkeiten haben wird, dann verbitte ich mir solche hanebüchenen Unterscheidungen.


Gravatar Vielen Dank Juli Gudehus und Robert Paulmann für die letzten Worte.

Das Design keine Wissenschaft ist verbitte ich mir im höchsten Maße. Auch ein Herr Spiekermann macht seit Jahren nichts anderes als forschen, nur viele Gestalter legen nicht unbedingt Wert auf einen staatlichen Forschungstitel. Aber auch da gibt andere Bemühungen (http://www.dgtf.de/).

Vielleicht gibt diese ganze Aktion dem Rat für Formgebung einen Schub über die Kommunikation und Sinn des "großartigen Preises" nachzudenken. Dessen heutiger Sinn immer zweifelhafter wird wenn nicht sogar vollkommen überflüssig ist. Zumindest solange auch nur ein Cent, aus Steuergeldern in diesen Preis fließt.


Gravatar 1. Der finanzielle Unterschied zwischen dem "Produzieren" einer Schrift und dem Dreh eines Films liegt schon auf der Hand. Für eine Schrift brauch ich Papier, Bleistift sowie einen halbwegs funktionierenden Rechner (ja man kann sich auch ein Studio zulegen, wie Erik es sicher hat). Diese Ausstattung hat man eigentlich sowieso schon. Für einen professionellen Film muss man dagegen am Anfang nicht nur Zeit sondern auch massig Geld investieren. Es wollen Schauspieler gesucht werden, Drehorte "gemietet" und ne Menge andere Dienstleister engagiert werden. Wenn wir mal die Kosten für die Ausstattung sowie die Arbeitszeit der Produzenten weglassen, so kommen doch eine Menge Kosten am Anfang auf einen zu, die, wenn man keinen guten Namen hat, keine Bank übernimmt, auch wenn das Konzept noch so toll ist.

=> Es gibt einen Unterschied zwischen Filmförderung und der gewünschten Förderung von Design


2. Wenn wir den Wirtschaftszweig(!) "Design" staatlich fördern wollen kann man nicht die Designer unterstützen, die mal neue Wege gehen wollen. Vielmehr macht es Sinn junge StartUps zu fördern. Diese werden auf absehbare Zeit Umsatz und Gewinn generieren, Arbeitsplätze schaffen, sprich Designer beschäftigen und durch internationale Kundenarbeiten den Ruf des "design made in Germany" stärken.

Ich hab mich zB mit 16Jahren "im Webdesign" selbstständig gemacht. Ich hatte lächerliche 200€ Startkapital. Hätte ich eine Förderung bekommen, wären sicherlich 1-2 Jahre Aufbauarbeit weggefallen und ich hätte gleich deutlich mehr Umsatz und vor allem mehr Gewinn machen können.

3. Wenn jemand im Designbereich "experimentieren" will, muss er seinen Kunden überzeugen, dass er diesen Weg mitgeht. Viel hängt dabei vom Kunden ab, aber noch viel mehr von dem wie man hinter der Idee steht und sie verkauft.
Wenn ich einfach nur so "experimentiere" will, dann generiere ich brotlose Kunst, die keinem Designer nützt, sondern nur den Kunstmuseen.


Gravatar Ist doch ganz einfach. Wozu das ganze Brimborium? Wozu ein Apparat wie der Rat für Formgebung?

Und wer sucht die jury zusammen? Wer macht die kommunikation, wer die veranstaltung? Wer baut die website, gestaltet die drucksachen? Macht das "der Staat"? Genau, und dazu haben wir den Rat, vom deutschen parlament damit beauftragt. Oder denkst du, das machen die angestellten des Bundestages? Oder das Rote Kreuz? Ich höre immer nur forderungen, aber kein wort dazu, wer die arbeit macht und dafür bezahlt. Oder zahlst du für designförderung wie für eine krankenkasse?


Gravatar >Das Design keine Wissenschaft ist verbitte ich mir im höchsten Maße.
Den Anspruch hält Design nicht durch. Forschung geht, wie ein fixer Blick in diesen Bereich bestätigt, ganz anders. Design ist ein kreatives Handwerk. Laßt mal alle die Sau im Dorf, Freunde. So toll wichtig sind wir nicht. Es gibt Tage, da denke ich, wir sind eher sowas wie Douglas Adams Telephone Sanitizer.

Und so fließend sind die Grenzen auch nicht, da kann man noch so neoromantisch von pantha rei schreiben. Es GIBT einen Unterschied zwischen dem, was ich mache und dem was etwa Ogilvy machen. Die Grenzen verwischen sicher, wie alle Grenzen seit dem Aufkommen des Computers erodieren, aber man sollte sie bei all der Medienkovergenz eben nicht vergessen. Und das hat gar nichts mit Schubladendenken zu tun, sondern mit Wissen-was-man-tut. Den Unterschied zwischen Fischstäbchenwerbung und einem Jazz-in-Willisau-Plakat nicht zu erkennen, ist dann doch kritisch.

Förderung für Gründungsunternehmen, ganz nebenbei, gibt es seit Jahren. Wenn auch – Deutschland eben – diese Ansätze sehr bürokratisiert und insofern nicht immer für alle attraktiv sind. Ansonsten aber völlig richtig. Wer Design frdenr will, sollte die Rahmenbedingungen für kleine Unternehmen verbessern. Da gehen wir seit Jahren eher in die gegenteilige Richtung. Wenn sich derzeit etwa die KSK an Kunden von «Künstlern» wendet, unabhängig davon, ob diese in der KSK versichert bin oder nicht, und bis zu 5 Jahre retroaktiv Gelder einfordert, ist das sicher keine Hilfe für ektoren, Übersetzer, Autoren, Designer, Illustratoren, Photographen usw. Ansonsten der übliche Dreisprung. Steuern, Nebenkosten, bessere mittelständische Kreditsituation.

Ich glaube, was der Rat für Formgebung – ebenso wie iF und RedDot und ADC, 100 schönste Bücher und all die anderen Awards – leisten KANN, ist, Design als Wirtschaftsfaktor zu kommunizieren. Ein gut designtes Auto verkauft sich vielleicht besser (Mini, der alte A als ein schlechtes (Beetle, der erste neue Siebener). Ich bin nach wie vor nicht sicher, ob man dafür NOCH eine Preisvergabe braucht, aber das wird man sehen müssen.

Ansonsten ist der DP07 einfach nur ein Marketingtool für die Designer selbst, wie die anderen Awards auch... und ich denke, es ist strategisch nach wie vor klug, sich qua relativer «Hochpreisigkeit» direkt auch in der Oberliga der Preise platzieren zu wollen.


Gravatar Kann ich diese Diskussion, wenn (falls) sie mal zuende ist, bitte als Buch haben? Das geb ich dann meiner Mutter zu lesen. Sie weiß dann zwar immernoch nicht genau, was ich tue, aber wenigstens, warum sie es nicht weiß.


Gravatar Naja, jeder sieht seinen Beruf eben anders.

Aber ich behaupte dass neben dem Talent auch Verständnis für das eigene "Tun" einen großen Erfolgsfaktor darstellt. Wenn ich mich ewig als Künstler sehe werd ich auch so bezahlt und behandelt. Trete ich als "Firma" statt als Atelier auf werde ich auch entsprechend bezahlt.


Gravatar Es ist diese Bruchstelle dazwischen.
Zwischen den abstrakten Kunstprojekten, die ja durchaus mit Designmitteln stattfinden können, so wie Stefans Wurst-Buchstaben-Projekte oder Julis eigenes schönes Genesis-Büchlein, und der nackten Werbung für Konsumprodukte, die ja auch oft künstlerisch wirken kann.
Design will etwas ganz anderes als Kunst und auf jeden Fall mehr, selbst beim gleichen Job, als die Werbung.

Weil ich so gern Theater mache, erkläre ichs mal damit.
Kunst wäre hier ein Plakat, das komplett darauf verzichtet, funktional zu sein. Hauptsache, der Gestalter verwirklicht sich. Bezug zum Stück, selbst Informationsgehalt, alles unwichtig vor dem gestalterischen Willkürmodus. es zählt der Geschmack des Künstlers. Übertrieben gesagt: Chaos. Energetisch, belebend, überraschend, aber auch ein bißchen ziellos.

Ein reines Werbeplakat will nur Leute in die Vorstellung bringen. Nackte Frauen, Hunde, Kinder, NLP, wichtig ist nicht, was es sagt oder iwe es aussieht, Hauptsache, der Köder schmeckt dem Fisch. Es zählt nur der Geschmack einer realen oder imaginären Zielgruppe. Werbung versucht sich recht krampfhaft, mit Marketing-Pseudowissenschaft von der Vagheit des eigenen Tuns zu entfernen, meßbare und somit prgnostizierbare Effektivität zu suggerieren. Übertrieben gesagt: Schema. Berechenbar. Sicher. Ordentlich. Aber leider auch leblos und meist irgendwie fad.

Design ist zum einen auf eine handwerklich saubere Lösung aus, nicht Geschmack, sondern kommunikative Funktion. Aber dabei jenseits von Zielgruppen und jenseits von eigenem vagen «Geschmack», sondern wie Architektur interessiert an einer systematischen Ausarbeitung von Inhalten, konkreten Fragestellungen und prozessualen Lösungen. Langfristiger gedacht, weniger spontan als Kunst aber doch flexibler und dynamischer als die One-Way-Kommunikation der Werbung. Design sucht nach Antworten, die über den reinen Produktabsatz hinausgehen. Nach der Existenzberechtigung einer Marke jenseits vom Quartalsergebnis. Nach der Funktion eines Produktes in seiner ganzen Bandbreite. Design sucht Optimierung nach Innen wie nach außen. Wo Werbung Scheiße Gold anpinselt, und Kunst die Frage nach AU oder AA eher wurst ist, ist beim Design die Frage, wie man wirklich Gold produzieren kann, also wie man so etwas wie eine bündige Ehrlichkeit von Produktentwicklung bis zum Marketing erzeugen kann. Design ist also tiefenpsychologischer als Werbung oder Kunst und viel viel anstrengender für beide Seiten. Als Designer überforderst du deinen Kunden oft. Der will nur eine Anzeige und du denkst in größeren Kontexten, denkst die Sache unweigerlich durch. Zumal Design immer auch mal in die Kunst oder eben die Werbung hineinoszillieren kann und auch sollte, sonst wäre es ja öde. Aber in den Ergebnissen zeigt sich, daß das systemische Designdenken mehr bringt als künstlerisches Onanie oder werberisches Symptomheilen. Design gibt dem Kunden, was er braucht, nicht was er will. Kunst kann af den Diskurs verzichten... hier ist mein Werk, like it or leave it. Werbung biedert sich an und redet dem Klienten (und dessen Kunden) nach dem vermuteten Geschmack. Design gräbt viel tiefer, braucht viel mehr Vertrauen, Diskurs, Streit, Liebe auf beiden Seiten. Die Chance des Mißlingens ist also ungleich größer (deswegen sind selbst große Designstudios viel kleiner als Werbeagenturen), aber der Erfolg ist die beidseitige Anstrengung wert.

Wobei: kein Diss gegen die Werbung, es gibt da geniale Sachen und erst recht kein Angriff auf all jene, die mit den Mitteln des Designhandwerks Kunst erzeugen... das kann es einfach gar nicht genug geben.

Aber die Grenzen sind da und sie sind – wiewohl schwer formulierbar – glasklar und sie zu vergessen, hilft weder dir noch deinem Kunden.

Und um den gehts nun mal.


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