kommentare zu diesem eintrag auf wirres.net

Gravatar So wie ich das verstehe, ging es dabei darum, dass Selbstmorde allgemein nicht erwähnt werden.

Dann gibt es ja immer diese Einschränkung bezüglich Personen "öffentlichen Interesses".

?


Gravatar würden die zeitungen darüber berichten, dann würden sich am nächsten tag gleich ein paar menschen auf die gleiche art und weise umbringen. trittbrettfahrer und so. bei prominenten ist das wohl was anderes, oder wenn man gleich noch ein paar andere menschen mit in den tod nimmt. ansonsten gibt es diesen kodex wirklich.


Gravatar Eben, es gilt immer das öffentliche Interesse!

Natürlich werden Selbstmorde in Zeitungen berichtet, was ist denn mit den vielen Selbstmordattentätern und Selbstmorde von Politikern und Politikerangehörigen?
Die Liste läßt sich lang weiterführen!

Stellt sich nur die Frage, ob ein Selbstmord, der von "nicht öffentlichen" Personen verübt wird und meistens sehr persönliche Gründe hat, unbedingt öffentlich ausgeschlachtet werden muss. Und da ist ein bißchen Zurückhaltung auf jeden Fall besser, wenn das auch nicht unbedingt alle sogenannten "Qualitäts-Journalisten" begreifen.


Gravatar also ich kenne einige zeitungen, die über selbstmorde berichten. zumindest über solche, die sich im öffentlichen raum ereignet haben. wenn, jemand von einem hochhaus oder vor die ubahn springt, dann kriegen das sowieso einige leute mit und warum soll dann auch nicht darüber berichtet werden? oft ist ja auch so, dass zuerst nur über eine vermisste person berichtet wird und dann sozusagen die aufklärung erfolgt.
ich finde das auch durchaus ok. entscheidend ist doch nur WIE man darüber berichtet.


Gravatar Möglicherweise gibt es bei der einen oder anderen Zeitung eine solche Selbstbeschränkung. Aber zu den journalistischen Grundregeln zählt es meines Wissens nach nicht.


Gravatar thomas: Lässt sich aber aus dem Pressekodex herleiten. Dafür gibt es dann auch schonmal eine Rüge.


Gravatar Da wo ich gearbeitet habe (regionale Tageszeitung), wurde nur über öffentlich bemerkbare Selbstmorde berichtet (Bahnstrecke sechs Stunden gesperrt, Retter ertrunken etc., oder eben Personen des öffentlichen Lebens). Ansonsten nicht, um Nachahmung zu verhindern. War offizielle Blattpolitik, zu der auch gehörte, dass im Lokalen nur Hochzeitsbilder veröffentlicht wurden, wenn es ein Spalier gegeben hatte.


Gravatar Es gab mal eine Zeit, da hat man das tatsächlich nur sehr selten gemacht (80er und Anfang der 90er), inzwischen ist es tatsächlich meist eine Abwägungssache. Wenn es jemand bekanntes ist, wird meist drüber berichtet - es gilt das Prinzip, das auch sonst gilt: Wen juckts? Wo ist der Nachrichtenwert?

Nur weil ein paar Züge zu spät kommen, ist das noch kein Grund darüber zu berichten... (zynisch, aber wahr) Trotzdem dürfte bei derartigem gerade bei Journalisten eine Schere im Kopf sein.


Gravatar Barschel.



Davon ab: Einen solchen Kodex kann man schön umgehen, indem man zuerst die Frage in den Raum wirft, "ob es Selbstmord oder Mord war". Denn zunächst ist ja nie was sicher. Getreu dem Motto "Alles ist erlaubt!" ist gleichermaßen auch alles zum drauf scheißen. Und in dieser faulen dogmatischen Welt voller doppelmoralistischer Arschlöcher kann eines jeden Arschloch zum Scheißen gar nicht groß genug sein.


Gravatar wie konnte ich nur jemals qwertzscheisser-kommentare löschen? das ist ja reinste fäkal-poesie hier. grossartig! auch dieser empörte unterton!

oder imitierst du mich einfach nur?


Gravatar Alles Großartige KANN ja nur ein Imitat ix'er Fäkalkunst sein.


Gravatar qwetz merkt sowieso nix mehr


Gravatar Das hat nichts mit Chefredakteursgutdünken zu tun. Es gibt den Pressekodex. Den können sich auch gerne die Tageszeitungspraktikanten durchlesen.

Ziffer 8
Die Presse achtet das Privatleben und die Intimsphäre des Menschen. Berührt jedoch das private Verhalten öffentliche Interessen, so kann es im Einzelfall in der Presse erörtert werden. Dabei ist zu prüfen, ob durch eine Veröffentlichung Persönlichkeitsrechte Unbeteiligter verletzt werden.
Die Presse achtet das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und gewährleistet den redaktionellen Datenschutz.


In den Richtlinien und Fallbeispielen werden diese insgesamt 16 Ziffern des Kodex präzisiert und erläutert.


Gravatar jo. aber dem gutdünken des chefredakteurs ist es überlassen den kodex zu verletzen. sieht man ja bei der „bild“-zeitung wie gelassen rügen des presserats dort abgehakt werden.


Gravatar Die Frage lautete 1) gibt es einen "journalistischen Kodex"? Antwort: Ja! Der heißt Pressekodex.

Und 2) Wird über Selbstmord prinzipiell NICHT berichtet? Antwort: Ja, über Selbsttötungen wird prinzipiell nicht berichtet, es sei denn die Personen sind Personen öffentlichen Interesses. Das bleibt ein gewisser Interpretationsspielraum. Sollte es sich um einen Verstoß gegen den Pressekodex handeln, dann entscheiden weder du noch ich, sondern der Presserat (auf Antrag von dir oder mir), ob ein Verstoß vorliegt. Sollte ein Verstoß vorliegen, spricht der Presserat Rügen aus, und zu den Regeln "fairer Berichterstattung" gehört es, dass diese Rügen in dem gerügten Printmedium auch abgedruckt werden.

3) Es scheint da ein Missverständnis über die Tätigkeit von Chefredakteuren vorzuliegen. Die dämonischen Chefredakteure stellen sich nicht hin und sagen "Jetzt verstoßt mal schön gegen den Pressekodex." Sie entscheiden bestenfalls über die Themen, die ihnen die Redakteure vorlegen, nach dem Daumen-hoch-Daumen runter-Prinzip. Ein Chefredakteur schreibt selbst relativ wenig. Er entscheidet meist über das Titelblatt und hat noch ein, zwei kleine Artikel oder Editorials abzuliefern. Dann muss er noch den Haufen egozentrischer Redakteure bändigen, denen er seine Blatt-Linie verklickern muss. (Ein Chefredakteur diskutiert auch nicht mit dir über Texte, sondern du bekommst einfach und wortlos keinen Auftrag mehr.) Die übrige Zeit ist er damit beschäftigt, dem Verleger oder einem adäquaten Gremium in den Arsch zu kriechen, den Werbekunden abzupampern, mit PR-Miezen herumzuvögeln (Presse-Reisen) und sich um die Kontaktpflege innerhalb seiner Seilschaft zu kümmern, sollte er nach üblichen 2-3 Jahren im Job sich einem anderen Wirkungskreis widmen. Diese Wirkungskreise sind gelegentlich die Politik oder, lukrativer, die Marketingabteilungen großer Unternehmen.

Über die BILD-Zeitung brauchen wir nicht weiter zu diskutieren. Das macht ja schon der BILDblog, der tagtäglich die Unseriösität der BILD-Zeitung zur Schau stellt.

Grüße


Gravatar Im Springer Verlag ist es auch üblich, unliebsam gewordene Redakteure unter Zuhilfenahme des Kodex zu entfernen. Oder bei allgemeinem Stellenabbau. Irgendwas findet man ja immer in dem, was vorher noch Ausführung nach Anweisung war.

Dann, aber auch nur dann, schwört Springer auf diesen Kodex. Diesen Verlag dürfte es in einer christlichen Welt gar nicht geben.


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