|
|
|
"Zensur" ist zwar möglicherweise wirklich ein etwas harter Ausdruck. Und es mag auch sein, dass alles, was da gestrichen ist, einfach nur aus Quatsch & Chaos verloren gegangen ist.
Aber: Die Streichungen entstellen den Sinn des Videodokuments. Und das ist Hundekacke.
David Prochnow |
homepage |
01.09.08 - 20:59 | #
|
|
Wer redet denn Konspiration oder Verschwörung?
Chr |
01.09.08 - 21:54 | #
|
|
ich weiss nicht wie weit das interview „entstellt“ wurde oder inwiefern ein interview mit putin überhaupt „sinn“ ergibt. ich habe aber so ein gefühl, dass auch ein interview mit putin von 2 minuten länge den gleichen informationsgehalt gehabt hätte wie die 40 minuten version. ebenso wie ein podcast von frau merkel oder die „state of the union rede“ von george w. bush. wer will sich sowas ungekürzt oder „unenstellt“ im fernsehen, nach der tagesschau oder den tagesthemen ansehen? für die, die sich die ungefilterte putin-wahrheit ansehen wollen, die merkel podcasts oder parteitagsreden, gibts youtube, cspan, phönix oder das russische staatsfernsehen.
und seit wann nennt man redaktionelle freiheit „zensur“? kann gut sein, dass das interview pro-westlich geschnitten wurde, dass die redaktion parteiisch ist oder das interview parteiisch oder schlampig geschnitten wurde. das anzuprangern oder zu dokumentieren, prima, aber daraus, laut „zensur“ schreiend und unter zuhilfenahme von privatdefinitionen und verschwörungstherien, zu versuchen eine affäre zu kochen, ist halt einfach stumpf und peinlich.
demnächst wird noch das wasserkloset unter zensurverdacht gestellt, weil es verwischt und verspült wie degeneriert der deutsche kot ist. tonnen von kot: einfach wegzensiert und weggespült. schlimm. ich bin sicher, der spiegelfechter wird das irgendwann mal aufgreifen.
ix |
homepage |
01.09.08 - 21:56 | #
|
|
Wer redet denn von Konspiration oder Verschwörung? Die Reaktion von Roth finde ich tatsächlich eher mäßig.
Chr |
01.09.08 - 21:58 | #
|
|
der spiegelfechter impliziert durch seine begriffswahl verschwörung oder konspiration. ein einzelner kann keine zensurausüben. zensur wird per definition vom staat, systemträgern oder einflussreichen organisationen ausgeübt.
ix |
homepage |
01.09.08 - 22:14 | #
|
|
Gerade in den Tagesthemen haben sie wieder gelogen, dass es eine wahre Freude war. Damit ihre Geschichte rund geworden ist, haben sie die netten Bilder von Putins sonntäglicher Tigerjagd kurzerhand auf heute vordatiert. Aber mit einer Dreistigkeit, dass mir die Kinnlade runtergegangen ist.
Michael P. |
01.09.08 - 22:51 | #
|
|
Mal ganz ehrlich, mal so unter uns hier ins Internetz gekrakelt. Was der Putin sagt, was die Merkel sagt, was der Bush sagt usw. - ist alles mögliche aber nie wirklich "das Wahre". Nur wenn ein Interview ohne erkennbaren nicht politisch motivierten Grund in eine solche Form gebracht wurde, dann kann und muss man wenn nicht schon von Zensur so doch zumindest von Desinformation sprechen.
Der Spiegelfechter betreibt übrigens eines der besten politischen Blogs und wenn durch seinen Artikel ein besseres Bewußtsein der Menschen für Medienpropaganda geschaffen wird, dann finde ich das sehr gut und mir ist unverständlich wieso das abstumpfend wirken soll.
Den Chaos-Inkopetenz-Claim finde ich übrigens sehr unpassend, wer das komplette Interview gelesen hat weiss warum bestimmte Passagen rausgeschnitten wurden.
Und btw. ich bin, soweit ich diese beurteilen kann, kein Fan von Putins Politik aber trotzdem will ich ungefiltert wissen was der Mann zu sagen hat, damit ich mir eine eigene Meinung bilden kann. Nur davor haben die Menschen die so einen Zusammenschnitt zu verantworten haben Angst. Sei es weil sie denken wir wären blöd oder sei es weil sie denken das wäre schlecht fürs System oder wie auch immer.
Und das ärgert Sie nicht?
Bernhard |
homepage |
02.09.08 - 0:02 | #
|
|
warum wurden denn bestimmte passagen rausgeschnitten? kann mir das jemand kurz mal zusammenfassen, ohne allzu verschwörungstheoretisches vokabular zu benutzen?
und soweit ich sehe, kann ich mir das interview ungefiltert ansehen und mir das, falls ich interesse an putins ungekürzten aussagen hätte, in voller länge anschauen und nachlesen, soweit ich weiss, in den nächsten tagen sogar im deutschen fernsehen. wo ist das problem? soll ich mich ärgern, dass die volle version erst drei, vier tage später als die gekürzte version gesendet wird? da ärgere ich mich lieber darüber, dass die ersten teaser trailer für wall•e bereits 6 monate vor dem deutschland-start gezeigt wurden.
hätte ich mich darüber ärgern sollen, wenn die ARD um das „System“ zu stützen, putin erst gar nicht interviewt hätte? diese zwischen den zeilen versteckten verschwörungstheorien sind so blöd- und unsinnig, dass ich vor langeweile am liebsten sofort einschlafen würde.
können wir einfach wieder dazu übergehen, uns darauf zu einigen, dass bei den tagesthemen geschlampt, gehetzt und dilettiert wird, wie überall sonst auch?
ix |
homepage |
02.09.08 - 0:27 | #
|
|
Es wurden Passagen rausgenommen die denen nicht ins Komzept passten, beispielweise diese:
Wladimir Putin: Was meinen Sie, wer hat den Krieg begonnen?
Thomas Roth: Der letzte Auslöser war der georgische Angriff auf Zchinwali
Wladimir Putin: [Ich] Danke Ihnen für diese Antwort. So ist es auch, das ist die Wahrheit. Wir werden dieses Thema später ausführlicher erörtern. Ich möchte nur anmerken, dass wir diese Situation nicht herbeigeführt haben.
Später wird sogar "wie sie selbst sagten", womit sich Putin auf die o.g. Aussage bezieht gekürzt und eben vieles mehr, dies alles mal kurz zu erklären ist leider nicht möglich.
Und zu dem Punkt, dass Du in der Lage bist das volle Interview irgendwo im Internet zu sehen kann ich nur sagen - klar bist Du das, Du bist im Internet zuhause, gut informiert etc.
, nur der Großteil ist das nicht. Und eine komplette Ausstrahlung um 6:20 wird auch nicht gerade viele erreichen.
Bernhard |
homepage |
02.09.08 - 0:43 | #
|
|
@ix "der spiegelfechter impliziert durch seine begriffswahl..."
Na ja, vielleicht ist der Begriff "Zensur" im formellen Sinn streitbar. In einer anderen Diskussion habe ich mich persönlich auf den Standpunkt gestellt, dass die klassische 'Zensur' vom Staate, anderen Systemträgern - wie du es formulierst - oder schlicht anderen wenigstens tw. tragenden gesellschaftlichen Institutionen vorgenommen werden kann, aber jedenfalls nicht von Privatpersonen. Das wäre schlichte Manipulation zu ggf. politischen oder wirtschaftlichen Zwecken und die Beurteilung abhängig davon, wo und wie wesentliche Informationen ggü. einer interessierten Öffentlichkeit abgeschnitten werden.
Darüber hinaus würde zumindest ich die ARD, als eine Institution des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sehr wohl als einen Systemträger bezeichnen, da du den Systembegriff schon selbst mit ins Spiel bringst.
Ich halte es zwar für völlig abwegig, dass irgendwelche Politiker oder politische Beamte oder eine interne Kontrollinstanz der ARD konkreten Einfluss genommen haben auf den Schnitt des Interviews, könnte mir dagegen sehr gut vorstellen, dass das RedakteurInnen-Team als Angestellte(!) in einer halb-staatlichen Organisation die Fahne in den aktuell politischen Wind gehängt haben, um ggf. nicht in die (wahrscheinlich nicht einmal folgenreiche) Kritik ihrer Rundfunk- und Fernsehräte, der Politik oder sogar der Öffentlichkeit zu geraten.
Genauso vorstellbar ist schlichte politische Parteinahme der entscheidenden RedakteurInnen.
Beides mag materiell keine Zensur von "außen" sein, aber sicherlich könnte man im ersten Fall von systembedingter Selbstzensur, im zweiten von sehr, sehr unangebrachter "Manipulation" sprechen. Man kann von dem Interview aber genauso von miesestem, katastrophalem Journalismus sprechen, sofern einem eben der Begriff der Zensur zu hart erscheint.
"Zensur": Schneiden - Verkürzen - Vorenthalten spezifischer, relevanter Information, die geeignet ist, eine (ggf. ungewollte) Meinungsbildung zu bestärken oder hervorzurufen, wenigstens Diskussionen zu verschärfen oder von mir aus zu verhindern, dass Dritte scheiße dastehen... Das ist wahrscheinlich das Entscheidende hinter dem Begrifflichen. In dem Interview, das kann man ja nachlesen, wurden all diejenigen Aspekte, die nicht unberechtigte Kritik an der - ganz vorsichtig formuliert - ambivalenten Auslegung des Völkerrechts im Westen formulieren, in ihrem sprachlichen Zusammenhang vollständig entfernt. Daher kann man an dem formellen Begriff Zensur fraglos Zweifel haben, aber als Schlachtruf in der stattfindenden Diskussion ist er treffend ausgesucht und nicht unpassend!
Fazit: Alles, alles kein Grund von journalistischen Notstand und Untergang der Demokratie zu schreien, aber man wird sich ja wohl noch darüber ärgern dürfen?!!!
Chr |
02.09.08 - 11:30 | #
|
|
wenn man den paragraphenreiter spielen will und auf dem Begriff Zensur beharrt... dann ist es natürlich Falsch, es war keine Zensur weil sich keine staatliche Organisation hingestellt hat und sagte "ihr dürft das nicht so senden!".
Wenn man aber verstehen will dass mit dem Schlagbegriff Zensur hier gemeint war dass das Interview sinnentstellend gekürzt war und alles was nach Kritik an westlicher Einstellung klang weggelassen wurde (ob aus unfähigkeit, politischer Einstellung oder wegen Sonnenfleckenaktivität ist da erstmal egal), dann trifft das Wort Zensur durchaus zu.
Wörter sind nicht nur ihre Definition laut Duden, es gibt immer auch den Sinn den der Verwender damit meint.
Dr. Azrael Tod |
homepage |
02.09.08 - 13:27 | #
|
|
Der Spruch soll von Josef Joffe sein? Das sag ich seit zehn Jahren! Höchstens Peter Glaser könnte das früher ersonnen haben.
Aber ich mag auch die Version, die Erich Kästner im Fabian hatte. Die ging ungefähr so: "Gehe immer davon aus, dass Dein Gesprächspartner verrückt ist - bis er zweifellos das Gegenteil beweist"
Torsten |
02.09.08 - 22:18 | #
|
|
Kuhl! Nach der Spiegelfechter Definition von Zensur, wird mein Blog auch zensiert! Und zwar von mir selber. Das ist super. Jedes Blog eine Mikrodiktatur.
Ach und die Programmierer meines CMS zensieren mein Blog natürlich auch, weil sie die Informationen auf dem Weg von der Datenbank zum HTML manipulieren und unterdrücken. Und das auch noch nach ihrem Willen. Zensur!
ben_ |
homepage |
03.09.08 - 8:16 | #
|
|
@ben_
Zunächst entschuldige bitte schon im Vorfeld den Tonfall, nicht böse, aber dringlich gemeint!
Also, gaaanz langsam: ARD = öffentlich-rechtliches Fernsehen = gesellschaftliche halb-staatliche, steuerfinanzierte Medieninstitution STOP alle Entscheider und wichtigen Leutz mit Parteibuch STOP Und: ARD = vielleicht bedeutendste Televisioninformationsquelle der BRD! STOP Umfangreicher, über das allgemeine in den Medien hinausgehender, gesetzlich vorgeschriebener Bildungsauftrag STOP
Du = im Pressegeschehen so wichtig wie der viel zitierte Sack Reis in China STOP einzelne Privatperson ohne spezifischen Aufklärungs- und Informationsauftrag, der dich unter den Schutz des besonderen Presserechts stellt STOP
Wenn DU 'n paar Sätze weglässt, dann ist das nicht nur keine Zensur, sondern es merkt und es interessiert niemanden! Das liegt nicht daran, dass du mir persönlich so unwichtig erscheinst, du hast halt keinen entsprechenden Auftrag - genauso wie ich = unwichtig wie der Sack Reis ...
Es ist schade, dass hier (und woanders) kaum jemand was sachliches sagt und sondern nur seiner Ursprungseinstellung entsprechend in Grundstellung geht. Fand hier jemand wie der Blogautor den Begriff Zensur unpassend, war's das und die Inhalte hinter der begrifflichen Differenz haben keine Bedeutung.
Chr |
03.09.08 - 17:19 | #
|
|
Chr: Es ist ganz einfach: es ist keine Zensur.
Die Debatte erscheint mir, als ob einem Fußballspieler nach einem vermeintlichen Foul Doping vorgeworfen wird. Beides hat wenig miteinander zu tun.
Torsten |
03.09.08 - 18:20 | #
|
|
ich will und kann das jetzt nicht alles im detail nachprüfen, aber ich habe das gefühl 90% von dem was du schreibst ist nur halbrichtig, so ungefähres, hab-ich-mal-gehört-wissen.
* soweit ich weiss sind weder die ARD noch das ZDF „halbstaatlich“ sondern gar nicht staatlich.
* die öffentlich rechtlichen sender sind nicht steuerfinanziert, sondern gebührenfinanziert. das ist kein kleiner unterschied, sondern ein ziemlich grosser, in jeder hinsicht.
* „alle“ entscheider im öffentlich rechtlichen rundfunkt haben ein „parteibuch“? selbst wenn das stimmen würde, wofür soll das ein argument sein?
* die ARD ist die „bedeutendste Televisioninformationsquelle“? hätte das, falls es stimmte, irgendwas zu bedeuten?
* es gibt einen „gesetzlich vorgeschriebener Bildungsauftrag“ für den öffentlich rechtlichen rundfunk? na dann würd ich gleich alle schulen schliessen und das was die schulen machen der ARD und dem ZDF übertragen. man muss natürlich sichergehen, dass die nicht mehr zensieren. kann natürlich sein, dass du eigentlich den „grundversorgungsauftrag“ meinst der eine „Grundversorgung mit Informationen, Kultur und Unterhaltung“ sicherstellen soll. da steht nichts von „bildung“ oder ungekürzten interviews, ja noch nichtmal was über die journaliste qualität der grundversorgung.
* wo kommt denn der „spezifische Aufklärungs- und Informationsauftrag“ der öffentlich rechtlichen her? vom presserecht? hat ben_ kein presserecht weil er keinen auftrag hat?
und was mir besonders unter den nägeln brennt: wie kann man „Inhalten hinter der begrifflichen Differenz“ bedeutung geben?
kurz: was wolltest du eigentlich nochmal genau zum ausdruck bringen? dass kürzen im öffentlich rechtlichen rundfunk, wenn nicht allen passt, zensur ist?
ix |
homepage |
03.09.08 - 18:24 | #
|
|
|