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Wie sich die Bilder gleichen. So sah es auch 1950 aus, als Ulbricht das Stadtschloss sprengen ließ.
Geschichte wiederholt sich eben. Und auch das Schloß kommt wieder.
Philipp A. |
03.11.08 - 10:19 | #
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Vielleicht hätte man diesmal was aus der Geschichte lernen und ein historisches Gebäude einfach mal stehen lassen können.
Anke |
homepage |
03.11.08 - 12:11 | #
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Aber das das gesamte Gebäude Asbestverseucht war ist euch nicht entgangen, ja? Ich meine, man hätte es komplett neu aufbauen müssen.
Und wer mal vor Ort war (ich selbst bin es regelmäßig, da ich dort studiere), weiß dass an diesem Ort nur das alte Stadtschloss neu entstehen kann.
Philipp A. |
03.11.08 - 18:59 | #
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http://www.hiroshima-remembered....ima/
image2.html
Tim |
04.11.08 - 7:29 | #
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Es ist sehr gut, dass dieses Gebäude nun weg ist. Wie kein anderes verkörperte es das DDR-Regime. Wer dem Gebäude nachtrauert, darf ja zum Ausgleich div. Gedenkstätten besuchen (Mauergedenkstätte, Stasi-Museum, Hohenschönhausen etc.) Anke begleitet einen bestimmt gerne.
Kay |
04.11.08 - 8:33 | #
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Gerade weil es das DDR-Regime verkörperte, hätte man es stehen lassen und es in eine Gedenkstätte verwandeln können.
Anke |
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04.11.08 - 10:41 | #
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Und was genau verkörpert eigentlich das Schloß? Den preußischen Militarismus? Die Niederschlagung der Revolution 1849? Oder 1919?
classless |
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04.11.08 - 18:29 | #
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@classless:
1. Die These vom preußischen Militarismus ist ja inzwischen etwas überholt. Wenn du aktuellere Publikationen zum Thema Preußen liest wirst du das feststellen können.
2. Das Stadtschloss wurde im 15. Jh. erbaut, da war mit Preußen noch nichts. Und selbst das Äußere in der uns heute bekannten Form stammt von 1701, dem Gründungsjahr Preußens. Ob es damit ein Symbol des "preußischen Militarismus" (sofern es ihn in dieser speziellen Form überhaupt gab - siehe 1.) ist, ist mehr als fraglich.
3. Was hätte an der Stelle denn sonst entstehen sollen? Ein Neubau des Palastes der Republik? Um der SED-Diktatur ein glänzendes Denkmal im Herzen Berlins zu bauen? Der Palast hat, wenn überhaupt, nur als Ruine einen Denkmalwert.
Philipp A. |
06.11.08 - 14:07 | #
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was an der stelle hätte entstehen sollen? fällt dir da echt nix ein? studierst du BWL?
mir fallen da spontan ungefähr 20 dinge ein die man neu und zeitgemäss dort hin hätte bauen können, mir fallen 20 dinge ein die man mit dem palast selbst hätte machen können, nur eins will mir einfach nicht einfallen: dort eine unfassbar teure, hohle, unehrliche disneyland-kulisse eines ollen märchenschlosses hinzustellen.
abgesehen davon, warum soll man der SED-diktatur kein denkmal bauen oder deren denkmäler stehen lassen? meinst du vergessen, verdrängen, abreissen ist die einzige form mit der vergangenheit umzugehen? oder meinst du denkmäler regen nicht zum nachdenken an, mahnen nicht, sondern glorifizieren? oder meinst du nur, denkmäler haben im „herzen berlins“ nichts zu suchen und sollten sich nur in aussenbezirken finden?
ix |
homepage |
06.11.08 - 14:48 | #
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1.) Gemessen an der Größe des Gebäudes kostet der Neubau gar nicht so viel. Schließlich werden die 80 Mio. für die Wiederherstellung der historischen Fassade von der Schloßstiftung aufgebracht, die ihre Gelder wiederum aus Privatspenden bezieht. Allein hieran sieht man, welche Faszination das Schloß auf weite Teile der Bevölkerung ausübt. Für einen Palast-Neubau hätten sich jedenfalls kaum so viele Spender finden lassen.
2.) Der Palast ist Geschichte. Da du selbst Berliner bist wirst du ja wissen was von ihm geblieben ist, nachdem der Asbest raus war. Man hätte ihn also genauso wie das Schloß quasi neu errichten müssen.
3.) Ich bin sehr für ein Gedenken an die SED-Diktatur. Das kann meinetwegen auch im Herzen Berlins passieren (mit dem Checkpoint Charlie tut es das ja auch - wenn auch in viel zu kleinem Rahmen). Allerdings kann ein derart zentraler Platz nicht zu einem zweiten Stelenfeld oder ähnlichem gemacht werden. Hinzu kommt, dass sowohl HU als auch StaBi neue Räumlichkeiten benötigen. Wa salso spricht gegen das Schloss?
3.) Nachdem du nun gesagt hast, dir fallen 20 Dinge ein, die dort entstehen können, bitte ich dich mir wenigstens ein oder zwei zu nennen. Zudem hast du angedeutet, dort müsse etwas "Zeitgemäßes" entstehen. Wie soll denn ein entsprechender Entwurf zwischen Dom, Kommandantenhaus, Humboldt-Uni, Zeughaus, Neue Wache, Alter Kommode, Historischem Museum und Staatsoper aussehen? Ich meine, eine allzu "zeitgemäße" Architektur wäre doch ein ähnlicher Fremdkörper wie der Palast.
4.) Zu guter Letzt glaube ich, dass wenn das Schloß erst wieder steht, die Kritik recht schnell verstummen wird, ähnlich wie es in Dresden nach der Vollendung der Frauenkirche geschehen ist.
Philipp A. |
06.11.08 - 22:40 | #
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laut bundestagsbeschluss soll das schloss 670 millionen euro kosten. für die ausstattung des humboldforums sind zusätzliche mittel geplant. und meiner errinnerung nach ist ein solches grossprojekt noch nie mit der ursprünglich geplanten summe abgeschlossen worden. ich glaub in hamburg geht die summe für die elbphilharmonie gerade ein paar hundet millionen nach oben. eine milliarde euro wird der kasten mindestens kosten, schätze ich mal vorsichtig. die spenden des fördervereins als „Privatspenden“ zu bezeichnen, bzw. daraus auf eine faszination der „Bevölkerung“ zu schliessen würde ich nicht. das hätt ich so meine zweifel.
abgesehen davon, dass ein neubau ja kein „palast-neubau“ sein müsste, gab es in den letzten 10 jahren bereits sicher hunderte entwürfe und nutzungsvorschläge für den schlossplatz. letztlich gab es noch einen faszinierenden vorschlag des architekturbüros graft für eine temporäre kunsthalle für 8 millonen euro. es gab, nach der asbest-sanierung ganz erfolgreiche zwischennutzungen des palastskeletts. ich halte zwar nicht allzuviel von frank o’gehry, aber eine stahlmonster das sich als kunsthalle nutzen liesse kann ich mir enorm gut, gerade im kontrast zu all den alten, steinernern zeug, vorstellen.
seit wann muss denn architektur den stil der umgebung imitieren? sollen im zentrum von berlin auch die bushaltestellen gemauert werden, damit sie nicht wie „Fremkörper“ wirken? architektur besteht doch nicht aus der imitation der umgebung. architektur fängt im besten falle den geist einer zeit ein, sucht ausdrucksformen die sich mit der gegenwart und nicht der vergangenheit auseinandersetzen, setzt zitate, nicht imitation ein, bricht die alten regeln um neue zu schaffen. und architektur bedient sich stets der neuesten technologie, nicht nur aus fortschrittsgläubigkeit oder selbstzweck, sondern auch weil sich brandschutz-, energiesparvorschriften und vor allem nutzungsanforderungen ändern. niemand möchte ein gebäude mehr mit holzscheiten heizen, mit kerzen beleuchten oder lebensmittel im keller kühlen, niemand möchte auf doppelglasfenster oder wärmeisolierung verzichten. alles im neuen stadtschloss wird hypermodern sein, alles wird dem neuesten stand der technik entsprechen, nur eines nicht: die fassade. warum? warum soll das gebäude aussen die gute alte zeit vorgaukeln, während innen auf keine einzige errungenschaft der modernen welt verzichtet werden soll? diese architektur ist zutiefst unaufrichtig.
warum nicht die chance ergreifen und ein zeitgemässes, aufrichtiges zeichen setzen? selbst das alte schloss wurde in seiner geschichte immer wieder modernisiert und zeitgemäss umdekoriert. und jetzt soll es zeitgemäss sein vergangenheit vorzutäuschen?
wenn die sowohl die HU als auch die StaBi neue räumlichkeiten benötigen, warum dann ein schloss neu aufbauen, statt eines modernen universitäts-baus oder eine bibliothek? mir kommt das vor als ob man aus irgendeiner verbissenheit gotische kirchen neu aufbaut um darin grundschulen unterzubringen oder containerschiffe mit holz verkleidet, damit sie wieder wie die guten alten segel-schoner aussehen. wie wärs mit flugzeugen mit doppelflügeln, weil die alten doppeldecker ja so schön waren? wie wäre es supermärkte wie mittelalterliche burgen und mehrzweckhallen wie das römische colloseum zu bauen?
ich finde auch nicht alles was sich „modern“ nennt gelungen. im gegenteil. aber ich finde alles schlimm was unaufrichtig ist und sein wahres wesen zu verschleiern versucht. ich finde glas auch nicht den optimalen fassadenbaustoff, aber tranzparenz ein fazsinierendes konzept.
wie wäre es, wenn die politiker die nutzung und das budget festlegen und dann architekten in einem wettbewerb die formfindung zu überlassen? die bundestag sagt den autobauern ja auch nicht, dass sie autos bauen sollen, die aussehen wie kutschen, aber so sicher und so einfach zu benutzen sein sollen wie eine moderne e-klasse.
ich hätte mir am schlossplatz sehr viel vorstellen können, einen neubau der die kubistische form des palasts der republik aufnimmt aber dann mit modernen mitteln bricht, einen glaspalast, eine wolke, ein stahlungetüm das seine nutzung nicht zu verbergen versucht sondern klar und deutlich zeigt, was sein zweck ist, eine durchdringung der palastruine mit modernen elementen, eine schlichte grünfläche, einen turm, einen hängenden garten auf gestapelten betonebenen wie der holländische pavillion auf der expo-2000 von mvrdv. und ich bin sicher, das gute architekten eher einen bau entwerfen der das zeug zu einem neuen wahrzeichen hätte, als irgendwelche juristen und lehrer, die sich regelmässig in einem gebäude mit einer glaskuppel oben drauf treffen.
zu guter letzt glaube ich, spätestens wenn die baukosten explodieren, wird die kritik am neuen schloss nicht so schnell verstummen wie du erwartest. eigentlich glaube ich, dass die kiste gar nicht gebaut werden wird. eine milliarde für einen bau, bei dem die nutzer fürchten müssen ungeeignete räume vorzufinden, deren ausstattung möglicherweise gar nicht finanziert werden kann, da bin ich mir nicht so sicher, dass die „bevölkerung“ sich da vor begeisterung überschlägt.
ix |
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07.11.08 - 0:22 | #
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Eine leidenschaftliches, aber gut durchdachtes Plädoyer für zeitgemäße, kostenbewusste, ehrliche Architektur. Gern gelesen.
Iris |
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07.11.08 - 2:19 | #
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Wo du grad dabei bist: wie verhindert man, dass nicht Alexa II gebaut wird? Martenstein z.b. hat solche verbrechen ja schon mal hier formvollendet beklagt: http://www.zeit.de/2008/38/Marte.../Martenstein-
38
EssBee |
07.11.08 - 9:26 | #
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@Felix:
Ich stimme deinen Ausführungen prinzipiell zu. Und wenn du dir mal den Schloß-Entwurf angesehen hast, beinhaltet er ja durchaus zeitgemäße Komponenten. So soll die Spreeuferseite ja nicht rekonstruiert werden (sehr wohl auch aus Kostengründen) sondern ein modernes Antlitz erfahren.
Gerade das könnte doch besonders identitätsstiftend sein, wenn man aus Richtung Alex blickt ein modernes Gebäude erblickt, und vom Brandenburger Tor aus die barocke Ansicht. Das finde ich schon faszinierend, die zwei Seiten einer Medaillie.
Um dein Kostenargument noch mal aufzugreifen: Niemand hat davon geredet, das Gebäude mit Holz und Kohlen zu heizen oder Kerzenleuchter aufzustellen. Ohnehin wird das Gebäude ja nicht von innen rekonstruiert, sondern ledglich dessen Fassade. So soll das Gebäude nach dem mir bekannten Entwurf ja auch keinen Innenhof enthalten, um den vorhandenen Platz optimal zu nutzen. Von einer mangelhaften Eignung ges Gebäudes zu reden entbehrt also einer sicheren Grundlage. Zu guter Letzt zieht das Kostenargument in meinen Augen ohnehin nur begrenzt, denn das Beispiel Schönefeld zeigt, dass man bei entsprechender Planung auch überwiegend Unternehmen aus der Region beschäftigen kann. Und Berlin kann mit seinen 13% Arbeitslosen nun wirklich jeden Job gebrauchen, zumal somit ein Teil des Geldes in Form von Konsum oder eingesparten Arbeitslosengeldern wieder zurückfließen könnte. Das das Schloß damit immer noch teuer ist als eine temporäre Kunsthalle oder ein Glasquader weiß ich auch.
Philipp A. |
07.11.08 - 14:00 | #
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Die DDR war ein Furz in der Geschichte und deshalb ist es richtig, dass der geschmacklose, hässliche PDR endlich weg ist. Hätte schon viel früher passieren müssen. Das Schloss ist schon okay, das passt viel besser zu Berlin als die Reste der Diktatur. Zwecks Gedenken kann man ja nach Hohenschönhausen oder an die Bernauer Str. fahren.
Philip |
08.11.08 - 15:41 | #
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@Philip: Es ist grundsätzlich falsch, die DDR nur als Fußnote der Geschichte zu sehen. Damit spielt man Gysi und Co eher in die Hände, indem man ihre Verbrechen herunterspielt. Die DDR war ein Unrechtsstaat dessen Verbrechen wachgehalten werden muss, um auch unserern Kindern ein realistisches Bild der Geschichte zu hinterlassen (und nicht das verklärte Bild einiger gefallener Funktionäre).
Dafür braucht es auch Orte und Denkmäler, aber eben keinen Palast.
Philipp A. |
11.11.08 - 9:03 | #
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ich würde nicht versuchen die verbrechen der DDR wachzuhalten, sondern das gedenken daran. obwohl die verbrechen selbst natürlich deutlicher mahnen. vielleicht ist ja die vorratsdatenspeicherung so ein wachgehaltenes, wiederauferwecktes verbrechen. stasi2.0, quasi.
ix |
homepage |
11.11.08 - 9:10 | #
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@Felix: Auch wenn wir damit etwas vom Thema abkommen: Ich hab mit dem Begriff "Stasi 2.0" so meine Probleme. Ich selbst bin sehr gegen das BKA-Gesetz und Vorratsdatenspeicherung. Aber der Begriff "Stasi 2.0" setzt da was gleich, was man in meinen Augen nicht gleichsetzen kann. Schließlich reduziert man die Stasi (1.0) damit auf bloße Überwachung und klammert die Zersetzungsmethoden ("operativen Vorgänge") aus. Bei aller Kritik am Überwachungsstaat: Die Staatssicherheit war weit mehr und die Überwachung nur Voraussetzung für das was folgte. Und vergleichbare Folgen sind in der BRD - Gott sei Dank! - bisher ausgeblieben.
Philipp |
16.11.08 - 14:11 | #
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