Egoistische Kommentare

die biographiebesprechung in der info3 fand ich ziemlich gut und der blick auf den inhalt und umgang des buches mit dem thema scheint alles in den blick genommen zu haben, ohne etwas zu verschweigen. ich habe das werk bestellt udn bin mal gespannt, wie sich das buch präsentiert, wenn es denn mal kommt.


Gravatar Liebe Barbara
"..ohne etwas zu verschweigen" ist aber wirklich wieder einmal ein sehr frommer Wunsch. Zumal die Funktion Beneschs in Siebenbürgen ja nun bekannt ist. Wir werden sehen, was weitere Recherchen noch ergeben.
Herzlich


Gravatar Ich beschäftige mich nun seit ca. 3 Stunden mit den verschiedenen Internetseiten seit ich diesen Artikel in Info3 gelesen habe und mir ist immer noch schlecht.
Zuerst hatte ich wieder mein Ur-Problem mit dem Bloßstellen und mit dem Finger zeigen, mit dem urteilen, verurteilen.
Gestern habe ich den Beitrag einer Biografie über Carl Zuckmayer im Fernsehen gesehen. (www.3sat.de Deutsche Lebensläufe: Carl Zuckmayer) Mir ist klar geworden als Zuckmayer nach dem 2ten Weltkrieg für die Besatzungsmacht USA die Namen genannt hat, wer und in welcher Haltung zu den Nazis gehörte oder nicht, in welcher Weise und Auswirkung Zuckmayer durch seine poetisch formulierten, "witzigen Beurteilungen eines menschlichen Charakters" wie es seine Tochter nannte, in Menschenleben, Schicksale eingegriffen hat.
Ich sehe davon ab, mich zu fragen, welcher Geist hat Zuckmayer geritten?“
Wenn ich an den Artikel von Hans-Jürgen Bracker denke, habe ich ein Einzelschicksal vor mir. Unglaublich, wie ich über mich erschrak als ich die Teile-Auflistung von Peter Staudenmaier’s neuen Erkenntnissen darauf gelesen habe. Mein Blut kam in Wallung, rasende Wut ergriff mich und ich hatte viele von diesen Bildern vor Augen von Verfolgung, Ermordung, Ungerechtigkeiten, Kriegsbilder.
Ich tue mir schwer mit einem Standpunkt für mich und ich möchte so gerne stark sein. Ich spreche auch von dem sich selbst verzeihen, wenn ich selbst in meinem Leben krumme Dinger gemacht hatte und nun mit den Folgen weiter lebe: wie gehe ich mit mir um? Wie gehe ich mit dem Anderen um, wenn ich beurteile, den Finger zeige? Wo fängt verzeihen an? Wie viel brauche ich davon?

Herzlichst
Elisabeth


Gravatar hm, bevor das mit dem verzeien losgehen kann, müsste zuerst einmal hingucken und nicht zu deckeln stehen, das woran sich alles stösst ist doch das nicht zu dem stehen, was war, reuige sünder werden in der regel nicht veruteilt. viel interssanter ist, wieviel eines nazi ist in uns und warum? also selbsterkenntnis bis in die letzte ecke, es ist aber viel leichter das bei anderen zu tun als bei sich selbst


Gravatar deswegen liebe elisabeth und liebe barbara2 ist es whrscheinlich heute erst möglich die eigene deutsche geschichte auf die eigenen helden anzuwenden. so zum beispiel auf benesch. in der haut derer die ihn erlebt ahben und womöglich hoch geschätzt haben, ihn als lehrer akzeptierten, will ich für wahr micht stecken. das beste was er und menschen wie er hinterlassen, ist die beispielhafte geschichte einer korumpierbarkeit des denkens an sich selbst und an anderen. die beichte, elisabeth, das einstehen für das eigene verfehlen, so zeigt die moritat benesch, stand wahrscheinlich gar nicht auf seiner agenda. benesch, so wie ich ihn lese , starb in der gewissheit recht gehabt zu haben. die zweifel hinterlies er seinen schülern.
auf solche sollte man mit allen fingern zeigen.


Gravatar >> Die Wirkliche Wahrheit von Friedrich Benesch

Die wirkliche Wahrheit ist nicht die Wahrheit,
sondern der überwundene Irrtum.
Und die wahre Wirklichkeit ist nicht die Wirklichkeit,
sondern die überwundene Illusion.
Und die wirkliche Reinheit ist nicht die ursprüngliche Reinheit,
sondern die geläuterte Unreinheit.
Und das wahrhaft Gute ist nicht das ursprünglich Gute, sondern das überwundene Böse.

Das gilt für das ganze Weltall – auch für Götter.
Denn auf dem Weg,
auf dem ein Böses umgewandelt wird,
kann sich etwas entwickeln,
was ursprünglich gar nicht in dem Guten enthalten war.
Dadurch, dass Gott sich Widersacher geschaffen hat,
hat er sich gezwungen,
sein tiefstes Wesen noch anders zu offenbaren,
als er es ohne sie hätte tun können.


Gravatar Und das wurde noch nicht übertragen:


Sind das nicht edle, hehre Worte? –
Für mich vordergründig, ja. Im Nachklang, im „Nach-Geschmack“ muten mich die Worte an wie ein Schuldeingeständnis ... es klingt wie reinwaschen: ich wasche meine Hände in Unschuld oder ich verdrehe die Worte und kleide sie so hell, dass alle geblendet sind und den Hinter-Sinn nicht sehen können. Wie eine verspiegelte, blendende Fläche, damit niemand die Vergangenheit entdeckt und Benesch sich von der „Schuld“ erleichtern kann.
Das z.B. als „Gegen“-Beweis zu der Aussage, Benesch’s Denke sei ein Bewusstsein, Recht gehabt zu haben.

Herzlichst,
Elisabeth


Gravatar Liebe Elisabeth,
Danke für den Text und die Überlegungen.Ich denke, dass sich noch manches in Beneschs Biografie - insbesondere die dunklen Seiten- klären wird. Für mich ist immer noch ein schwerer Zweifel da, ob es bei den bisher vorhandenen Fakten bleiben wird. Benesch hat seinen neuen Lebensabschnitt nach dem Krieg - sein neuerliches Wirken als Priester und "im Dienst des Herrn" stehend- mit einer offensichtlichen Lüge bezüglich seiner Vergangenheit begonnen und hat das durchgestanden. Warum? Immerhin besteht die Möglichkeit, dass ihm keine andere Möglichkeit blieb. Der Grund bestünde dann darin, dass noch sehr viel mehr Schuld vorlag, als uns bisher bekannt ist. Das wird sich noch heraus stellen. Es braucht Zeit. Wir müssen darauf hoffen, dass Zeitzeugen sich weiter offenbaren. Von offizieller Seite habe ich den Eindruck, dass lediglich das eingestanden wird, was offensichtlich ist. Selbst das ist nur durch die Beharrlichkeit von Frau Dr. Reinsperger und durch die Recherchen ihres Bruders heraus gekommen. Wir werden hoffentlich nicht so lange warten müssen, bis die rumänische Regierung sich endlich bequemt, Historikern ihre Archive zu öffnen.
Herzliche Grüsse
Michael Eggert


Gravatar >>offensichtlichen Lüge bezüglich seiner Vergangenheit begonnen und hat das durchgestanden. Warum?>Immerhin besteht die Möglichkeit, dass ihm keine andere Möglichkeit blieb.


Gravatar Das muss ich neu aufsetzen. Mein Text wurde nicht gesamt übertragen.
Elisabeth


Gravatar Liebe Elisabeth, wie gehe ich mit Schuld um? Saulus konnte nach seinem Erlebnis vor Damaskus zum Paulus werden und er hat sich vor den Menschen zur Größe seiner Schuld immer bekannt. Dieses "Sich mit Worten vor den Menschen bekennen" ist, so meine ich, ein ganz wichtiger Prozeß: auf der einen Seite folgen natürlich Verurteilungen durch die, die so etwas wissen, aber wichtig ist doch, dass die Mitmenschen durch das Bekenntnis wissen, der Mensch hat sein Unrecht, seine Schuld erkannt: er sieht das Leiden seiner Opfer, er will sich ändern und da sind ja dann auch die Mitmenschen gefordert: den Schuldigen helfen, sich aus den alten Denkmustern und Gewohnheiten zu befreien in darauf hinzuweisen, wenn er erneut im Alltag in sie verfällt. In diesem Sinne wollten, so wie ich es verstanden habe, die Wahrheitsfindungskommissionen in Südafrika die Appartheit aufarbeiten.
Bei Benesch z.B. hätten seine Kollegen diese Funktion übernehmen können. Warum musste er mit dieser Vergangenheit als Leiter des Priesterseminars arbeiten und ist nicht Gemeindepfarrer geblieben, wo ja auch eine gewisse Korrektur durch den Kontakt mit den erwachsenen Gemeindemitgliedern hätte erfolgen können? Das z.B. wäre in meinen Augen verantwortungsvoll gewesen. - Das Schroeder-Buch besprechen wir noch, vorab grob nur soviel: Schroeder hat als Zeitzeugen nur Benesch-Anhänger zitiert und kritische Zeitzeugen gar nicht erst gesucht.z.B. auch über Professor Hahne erwähnt er kritische Bücher nicht. Als Leitfaden nimmt er eine unveröffentlichte Autobiographie Beneschs, von der ich nur wenige Seiten kenne und die ganz objektiv nicht stimmen, was ich auch belegen kann. Er kennt den Unterschied von Deutsch-Nationalen und Nazis nicht, er hat immer noch den naiven Idealismus-Begriff: Idealismus ist immer gut - als ob es Auschwitz nicht gegeben hätte....


Gravatar Liebe Regina, ich verstehe deine Gedankengänge nicht in Bezug auf mein posting. Ich kann auch deine Ausführungen nicht in der Tiefe verstehen wie du mir spürbar etwas aufzeigen möchtest. Das liegt für mich in erster Linie daran, dass ich den „Literatur“-Hintergrund zu diesem Disput nicht habe. Denke ich.
Es geht mir auch um etwas anderes:
Zu der Situation, dass Benesch sich verhält, Leiter des Priesterseminars zu werden und nicht Gemeindepfarrer zu bleiben, kann ich nur antworten: du kannst ihn nicht mehr fragen; wie ich es zu Michael genauso sagen würde: warum hat er das durchgestanden mit dem Wissen einer offensichtlichen Lüge bezüglich seiner Vergangenheit: du kannst ihn nicht mehr fragen.
Warum konnte er das durchstehen? Du kannst ihn nicht mehr fragen.
Ich verstehe diese Beharrlichkeit nicht, weitere Recherchen anzustrengen, wobei mir sicherlich wieder der aufzuarbeitende Hintergrund fehlt. Das ist keine Entschuldigung.
Ich verstehe die Hatz nicht.
Regina du sagst: bei Benesch hätten seine Kollegen Funktionen übernehmen können. Warum bekommen diese Menschen keine Vorwürfe? Stand er alleine da? Trug er alles selbst-ständig?
Ich frage mich in diesem Zusammenhang nach den Wirkungen unserer Gedanken im Zusammenhang der Taten eines bereits Verstorbenen. Wie verknüpfe ich mich durch die Gedankenanstrengung – das sind reale Kräfte. Womit belade ich mich im Tun dieser Gedanken? Was tue ich hier? Ich möchte damit ausdrücken, dass es darum geht: Aufklärung und Recherche sind sicherlich wichtig im Zusammenhang der „Schuldenbelastung“ der „Hinterbliebenen“. Doch die Moral, die geistige Ästhetik muss meines Erachtens völlig frei von Emotionen sein.
Herzlichst, Elisabeth


Gravatar Liebe Elisabeth, es gibt keine Hatz und keinen Hass auf diesen Seiten und es gibt keine Vorwürfe oder Schuldzuweisungen an "Hinterbliebene" sondern das Bemühen,in diesem konkreten Fall der Lebenslüge die Wahrheit so gut es geht entgegenzusetzen und damit auch dem Toten zu helfen... Warum sollten wir Nachgeborenen uns mit historischer Vergangenheit wie z.B. dem 3. Reich oder der Zeit des Kommunismus in Russland überhaupt beschäftigen? Die Betroffenen, Täter wie Opfer sind doch eh alle tot und ändern können wir die Vergangenheit ja nicht.
Oder?


Gravatar Liebe Regina, hübsch formuliert, dass wir damit auch dem Toten helfen.
Warum wir Nachgeborenen und mit der Vergangenheit auseinander setzen? Ich für meinen Teil, weil ich im 3ten Reich gelebt hatte. Ich bin nicht: >>eh alle tot>>. Ich bin wieder geboren und trage die vergangenen Erfahrungen in mir - überall.
Herzlichst, Elisabeth


Gravatar Der historische Blick eröffnet einiges an persönlicher Reflektion. Wie hätte ich gehandelt? Zudem ist es immer auch eine Überprüfung von moralischer Integrität, wenn man die eigene Geschichte rekapituliert. Aber auch die Geschichte Dritter ist lehrreich für die Nachgeborenen. Ich verstehe gut, dass wir heute die generalisierte Schuld der Deutschen, eines ganzen Volkes zu individualisieren versuchen. Der Schulddruck lässt in meiner Generation schon nach. Wir stehen in einer neuen Verantwortung und somit werden die Fragestellugen neu. Zudem bescäftigen wir uns mit der Geschichte der Bundesrepublik, wenn wir auf die Nachkriegslügen der Gründungsväter (politische, wie kulturelle) schauen. Gleiches gilt exemplarisch für Beneschs Rolle in Bezug auf die CG.
Das er nicht dazu Stellung nehmen kann ist ein Treppenwitz, wie ich finde. Der beste Leumund ist man sich sicherlich selbst. Das hat er versäumt, zu Lebzeiten, das hat er vermieden, warum auch immer. Es entbindet ihn aber nicht Posthum seiner Bedeutung und der Rolle die ert spielte.
Wenn wir uns solchen Themen stellen, dann wachsen wir. Da Benesch die Erfahrungen nicht teilen wollte, müssen die Zurückgebliebenen an seiner statt die Zerreisprobe überstehen. Ich sehe eine wenig Elisabeths und Reginas Rollen in dieser Antagonie. Elisabeth sehe ich in der tragischen Rolle des Opfers Beneschs, die für sein Schweigen sichtbar leiden muss. (Verzeiht das Bildhafte meiner Darstellung, ich will euch nicht zu nahe treten, wollte mich aber der Frage nähern des: womit belade ich mich im Tun?)

hoffentlich nicht zu weit gegangen...


Gravatar Lieber nerone, herzlichen Dank für die franke Offenheit. Für mich bist du keineswegs zu weit gegangen, im Gegenteil. Du bist erfrischend direkt, zaghaft aber immerhin; und etwas schwierig für mich zu verstehen. Trotzdem danke!
Wo siehst du mich in einer Opferrolle? Drücke ich mich so ungenau aus? Diese „tragische Rolle“, dass ich lernen musste in der Zeit zwischen 1920 bis ca. 1933 gelebt zu haben hat meine anerzogene deutsche Sicht auf diese Zeit drastisch verändert. Und nicht nur aus diesem Grund gehen mich diese Ereignisse etwas an und nicht nur, weil ich jetzt als Deutsche geboren wurde.
Ich weiss nicht, ob Benesch in dieser Zerreißprobe, die wir zu überstehen versuchen so unbeteiligt ist ... ?
Natürlich habe ich Narben. Worüber ich sprechen wollte ist nach wie vor die Art und Weise wie hier vorgegangen wird.
Also wenn es so unhörbar ist wie ich mich versuche auszudrücken, schicke ich die Worte Rumis, den ich erst kürzlich gefunden habe.

Herzlichst, Elisabeth


Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast.
Freude, Depression und Niedertracht –
auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit
kommt als unverhoffter Besucher.
Begrüße und bewirte sie alle!
Selbst wenn es eine Schar von Sorgen ist,
die gewaltsam Dein Haus
seiner Möbel entledigt,
selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll.
Vielleicht bereitet er Dich vor
auf ganz neue Freuden.
Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit –
begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu Dir ein.
Sei dankbar für jeden, der kommt,
denn alle sind zu Deiner Führung geschickt
aus einer anderen Welt.

RUMI


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Commenting by HaloScan